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Ein Reformator und seine Fürsten – Auf Schloss Hartenfels öffnet die erste Nationale Sonderausstellung

Blick in die Räume der 1. Nationalen Sonderausstellung „Luther und die Fürsten. Selbstdarstellung des Herrschers im Zeitalter der Reformation“ auf Schloss HArtenfels in Torgau bis 31. Oktober 2015. Bildnisse der Familie des Kurfürsten August von Sachsen. Lucas Cranach d. J., 1564-1565.
(©Rüstkammer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig)

Zur Verbreitung seiner Thesen brauchte Martin Luther die Unterstützung der weltlichen Herrscher. Eine wirkungsvolle Koalition, die maßgeblich für die Verbreitung der Ideen des Reformators war, wie die Ausstellung „Luther und die Fürsten“ zeigt.

Ein kleines Kreuz in einem Herz, umrahmt von einer Rose: Das in einen schlichten Goldring eingefasste Siegel des Reformators Martin Luther (1483-1546) ist in einen roten Karneolen geschnitten, mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen. Der Siegelring war 1530 ein Geschenk von Herzog Johann Friedrich, der später Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige wurde. Ein Zeichen der Wertschätzung- und eines für das enge Verhältnis Luthers zu dem sächsischen Herrscher. Wie Religion und Politik zur Zeit der Reformation zusammenspielten, zeigt die erste Nationale Sonderausstellung zum Reformationsjubiläum unter dem Titel „Luther und die Fürsten“ von Freitag (15.05.) an im sächsischen Torgau.

Blick in die Räume der 1. Nationalen Sonderausstellung „Luther und die Fürsten. Selbstdarstellung und Selbstverständnis des Herrschers im Zeitalter der Reformation“ auf Schloss Hartenfels in Torgau bis 31. Oktober 2015
(©Rüstkammer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig)

Vom Generalablass bis zum Torgauer Bündnis

Die Ausstellung ist in weiten Teilen chronologisch gegliedert und beginnt mit der Veröffentlichung des Generalablasses im Jahr 1515, mit dem der Bau des Petersdoms in Rom finanziert wurde. Exemplarisch für den durch Ablasshandel finanzierten Luxus der päpstlichen Kirche am Vorabend der Reformation steht eine prunkvolle, zwei Kilogramm schwere Mitra aus dem Besitz des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg. Die mit Edelsteinen bestückte Vorderseite der Bischofsmütze zeigt die Verkündigung der Geburt Christi an Maria.

Ideale Rahmenbedingungen in Torgau

Kein Ort sei besser dazu geeignet, das Zusammengehen der weltlichen und geistlichen Protagonisten zur Zeit der Reformation aufzuzeigen, sagt der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Hartwig Fischer. In der Renaissancestadt, die im 16. Jahrhundert Sitz der protestantischen Kurfürsten war, seien die Reformatoren auf die „politische Infrastruktur gestoßen“, die notwendig war, um ihre Thesen und ihre neuen Ideen der Religion durchzusetzen.

In der Ausstellung können Besucher auf 1.500 Quadratmetern und anhand von rund 250 wertvollen Exponaten die gegenseitige Beeinflussung von Reformation und Politik nachvollziehen. Zu sehen sind kostbare Gemälde, Goldschmiedearbeiten, Prunkharnische und Dokumente. Die mehr als drei Millionen Euro teure Schau ist die erste von drei vom Bund geförderten Nationalen Sonderausstellungen anlässlich des Reformationsjubiläums im Jahr 2017.

Torgau, Schloss Hartenfels, Großer Wendelstein
(© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass)

Immer stärker wird die Spannung zwischen Luther und der katholischen Kirche sichtbar, die schließlich in der Veröffentlichung seiner 95 Thesen und der Publikation von der „Freiheit des Christenmenschen“ mündet. Nach dem Reichstag in Augsburg 1530 wurden einige Kurfürsten in Sachsen zu machtvollen Vertretern des protestantischen Glaubens und Johann Friedrich der Großmütige zum Schutzherr Luthers. Der Fürst verfolgte aber auch eine eigene Agenda: Mit dem Bekenntnis zu Luthers Glauben beanspruchte er ebenso wie weitere protestantische Fürsten religiöse Gestaltungsfreiheit im eigenen Herrschaftsgebiet gegenüber dem Kaiser und der alten Kirche.

Die Schau blickt auch über den Tod Luthers hinaus, thematisiert den Schmalkaldischen Krieg und zeigt prunkvolle Waffen, die oft mit religiösen Motiven versehen wurden. Auch das Dokument, das den Augsburger Religionsfrieden am 25. September 1555 festhielt, ist als Leihgabe des Österreichischen Staatsarchiv in Wien zu sehen. Die Ausstellung endet im Jahr 1591 mit dem sogenannten „Torgauer Bündnis“, dem Versuch einer politischen Versöhnung von Calvinisten und Lutheranern. Eine Silberskulptur – ein stehender, bekrönter Löwe – zeugt als diplomatisches Geschenk von dem vergeblichen Anliegen, die protestantischen Konfessionen doch noch zu vereinen.

Luthers Einweihungspredigt in Hörweite

Das größte Exponat der prachtvollen Sonderausstellung ist aber wohl das Schloss Hartenfels selbst. Seit einigen Jahren wird es umfassend für mehrere Millionen Euro restauriert, bis zum Reformationsjubiläum 2017 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Pünktlich zur Sonderausstellung ist auch die Schlosskapelle fertig saniert. Sie wurde 1544 von Luther persönlich geweiht und gilt als weltweit erster protestantischer Kirchenneubau. Für die Ausstellung sind dort Auszüge aus Luthers Einweihungspredigt zu hören, die bis in die einstigen fürstlichen Gemächer direkt neben der Kapelle schallen.


Zusammengefasst: In Torgau eröffnet die 1. Nationale Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“. Die Ausstellung beleuchtet die Selbstdarstellung und das politische Selbstverständnis der reformatorischen Fürsten auf 1500 Quadratmetern. Die rund 250 Exponate zeigen die gegenseitige Beeinflussung von Reformation und Politik.

Information

Author:Luise Poschmann Source:epd Date:15-05-15

1. Nationale Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“

Die 1. Nationale Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“ zeigte den Prozess der Reformation, die politische Geschichte der Fürsten und ihr Selbstverständnis in der Reformation von verschiedenen Blickwinkeln aus.

August von Sachsen – Kurfürst, Unternehmer, Reformer

Die 1. Nationale Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“ auf Schloss Hartenfels beschäftigt sich mit den Beziehungen des Reformators zu den Fürsten des Landes. Einer von ihnen ist August von Sachsen – obwohl Luther bei dessen Herrschaftsantritt schon längst tot ist. Nun setzt sich eine internationale wissenschaftliche Tagung mit dem Kurfürsten auseinander.