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Standpunkt: Margot Käßmann

Margot Käßmann
Margot Käßmann, Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017 (Bild: epd-bild)

Martin Luther hat einmal gesagt, er sei ein „Weihnachts-Christ“. Im Grunde hat er das Christfest in die Mitte gerückt. Bei ihm hätte es auch keinen Weihnachtsmann gegeben, sondern das Christkind hat die zentrale Bedeutung. Dass Gott in diese Welt kam als Kind, diese Glaubensgrundlage hat ihn geprägt. Dass Gott sich den Menschen zuwendet, so wie Jesus das beschreibt: wie ein Vater, der den Sohn wieder aufnimmt, der auf Abwege geraten war, das war für Luther entscheidend. Und: dass Gott Schmerz, ja das Sterben selbst erlebt, aber dem Tod nicht das letzte Wort lässt – dieser Glaube trägt Martin Luther als Theologen und als Familienvater, als den Freund und Nachbarn.

Ich finde wunderbar, dass er offenbar mit seinem Lied „Vom Himmel hoch da komm ich her“ das Krippenspiel ins eigene Haus geholt hat. Er hat ja erst mit 41 Jahren geheiratet und wurde dann Vater von sechs Kindern: Johannes, Elisabeth, Magdalena, Martin, Paul und Margarethe. Familie Luther wurde zum Urbild des evangelischen Pfarrhauses. Und auch wenn Luther manchmal von der Last der Ehe und der Vaterschaft sprach, hat er es ganz offensichtlich genossen, Ehemann und Vater zu sein. Die Eheschließung mit Katharina von Bora war für ihn ein Zeichen, dass weltliches Leben als Familie, mit Sexualität und allen Alltagsfragen vor Gott, ebenso viel gilt wie leben im Zölibat oder im Kloster. 

Am Lied „Vom Himmel hoch da komm ich her“ lässt sich gut vorstellen, wie ein Kind den Engel spielt, der wie Lukas den Hirten die frohe Botschaft verkündet. Und am Ende tanzen die Kinder um die Krippe und singen: Des freuen sich der Engel Schar/Und singen uns solch neues Jahr!  Ich freue mich, wenn schon Kinder so Wurzeln finden im christlichen Glauben, damit sie eine Haltung fürs Leben gewinnen.

Weihnachts-Christen sein, heißt dabei nicht, weltfern zu leben. Nein, ein Kind, das unter schwierigen Verhältnissen geboren wird, ein Elternpaar auf der Flucht vor einem Diktator – die Weihnachtsgeschichte des Lukas ist hochaktuell auch 2015!


Professorin Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann ist Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017.