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Kuratoren stellen vor: Kanzeluhr von 1694

Grit Jacobs, wissenschaftliche Mitarbeiterin auf der Wartburg, über eine Kanzeluhr von 1694, die bei „Luther und die Deutschen“ zu sehen ist. 

Kanzel- oder Predigtuhr, 1694, vergoldete Bronze, Holz, Glas. 36 x 28,5 cm. (Bild: © Wartburg-Stiftung Eisenach)

Innerhalb der Ausstellung „Luther und die Deutschen“ auf der Wartburg widmet sich ein Raum den Grundsätzen der lutherischen Theologie und damit den unmittelbaren Folgen der Reformation auf das religiöse und gesellschaftliche Leben. Er zeigt ebenso die Kehrseite des Ganzen, indem Luthers Widersacher und Feindbilder beleuchtet werden. Ein in Gold und Blautönen erstrahlendes Oktogon beherbergt Kunstwerke und Drucke zu den Sakramenten Abendmahl und Taufe, zur Kirchenmusik ebenso wie zur Predigt. Die wurde von nun an nicht mehr auf Lateinisch, sondern auf Deutsch gehalten.

Welch hohen Stellenwert das in der Predigt verkündete Wort Gottes einnahm, lässt sich etwa an dem Modell eines Kanzelaltars ermessen, bei dem die Kanzel als Ort der Verkündigung räumlich wie symbolisch über den Altartisch und das Abendmahlsakrament gerückt ist. Dass die Predigt dabei sowohl für die Gemeinde als auch den Pfarrer eine ganz praktische Seite haben musste – nämlich die Dauer –, darauf verweist eindrücklich eine Predigt- oder Kanzeluhr von 1694. Angebracht waren (und sind es in vielen protestantischen Kirchenräumen heute noch) derartige Zeitmesser an oder auf der Kanzel. Die vier in das Messinggestell eingepassten Sanduhren laufen jeweils eine Viertelstunde und geben so Auskunft über den Stand der Redezeit.

War die Zeitmessung in manchen Fällen als Vorgabe des Solls notwendig, diente sie meist wohl aber der Eingrenzung sonst allzu langer Predigten, weshalb die Uhren vielerorts zum Gebrauch empfohlen oder gar vorgeschrieben waren. Schon Luther hatte in seinen Tischreden bemerkt, der Prediger solle „die Zuhörer je nicht martern und auffhalten mit langen predigten, denn die lust zu zuhören […] vergehet ihnen“.

Warum mir dieses Objekt gefällt? Die Sanduhr als ein kunstvoller Zeitmesser des ausgehenden 17. Jahrhunderts vermag durch die Kenntnis seiner Verwendung einen tiefen Einblick in das praktische Leben einer evangelischen Kirchgemeinde dieser Zeit zu gewähren.


In der Rubrik „Kuratoren stellen vor“ schreiben die Kuratoren der Nationalen Sonderausstellungen auf luther2017.de in loser Folge über einzelne Exponate aus den Schauen. Ausgewählt wurden die Ausstellungsstücke von den Autoren der Texte selbst. 


Informationen

Autor:Grit Jacobs Datum:17-07-17
Schlagworte:
Nationale Sonderausstellung, Wartburg, Kuratoren stellen vor, Exponat, Kanzeluhr, Predigt

Info

„Luther und die Deutschen“ 

Wartburg
Auf der Wartburg 1
99817 Eisenach

Öffnungszeiten:
4. Mai bis 5. November
Täglich 8:30 Uhr bis 17:30 Uhr
(letzter Einlass)
Schließung des Burgtors um 20 Uhr

Eintritt:
Einzelticket: 12 € / 8 € ermäßigt
Schüler: 5 €
Gruppen ab 10 Personen: 10 € p. P.
Kombiticket für alle Nationalen Sonderausstellungen: 24 €

Weitere Informationen:
3xhammer.de

Nationale Sonderausstellungen zum Reformationsjubiläum 2017

Einen bedeutenden Höhepunkt stellen die drei Nationalen Sonderausstellungen zum Reformationsjubiläum 2017 dar, die in der Lutherstadt Wittenberg, auf der Wartburg in Eisenach und in Berlin gezeigt werden. Sie sind ein zentraler Beitrag der staatlichen Träger im Festjahr 2017, um in einzigartiger Weise an dieses herausragende Ereignis zu erinnern.