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Der Motivwagen des Evangelischen Dekanats zum Rosenmontagszug. (Bild: epd-bild/Kristina Schäfer)

Mainz und die Fastnacht gehören zusammen wie Luther und die Bibel. Da liegt es nahe, im Jahr des Reformationsjubiläums mit einem Motivwagen am Rosenmontagszug teilzunehmen, fand das Evangelische Dekanat Mainz. Zwar war Luther nie in Mainz, doch ohne die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch den Mainzer Johannes Gutenberg hätte die Reformation wohl nicht stattgefunden. Zudem hätte Luthers Lebensfreude gut zu Mainz und zur Fastnacht gepasst.

Ein echtes Abenteuer sei die Teilnahme, meint Dekan Andreas Klodt vom Evangelischen Dekanat Mainz. „Es ist ein neuer Zugang, um auf das Reformationsjubiläum aufmerksam zu machen und eine ganz andere Art und Weise, in der Stadt präsent zu sein.“ Dabei ist das Dekanat besonders froh, dass der bekannte Wagenbauer Dieter Wenger für das Projekt gewonnen werden konnte. Der 77-jährige Wenger gestaltet seit über fünfzig Jahren die politischen Motivwagen des Mainzer Carneval Vereins, die jedes Jahr von mehr als dreieinhalb Millionen Menschen live und über die Bildschirme gesehen werden. Aus Erfahrung weiß er: „Man hat zehn Sekunden, um die Aufmerksamkeit zu bekommen. Deshalb benötigt man ein klares, prägnantes Motiv mit Wiedererkennungswert, das die Botschaft sofort vermittelt.“ Sofort war klar, dass 2017 dieses Motiv nur der Reformator Martin Luther sein konnte. In Mainz gibt es üblicherweise zu jedem Motivwagen ein Gedicht in Mainzer Dialekt. Der Sechszeiler zum Luther-Wagen lautet hochdeutsch:

Martin Luther mit Hammer und Hirtenstab mit Weck, Worscht und Woi. (Bild: epd-Bild/Kristina Schäfer)

Seit 500 Jahr‘ gibt’s Protestanten,
weil Luthers Thesen Anklang fanden.
Der Mensch ist Sünder und doch frei,
für manchen ist das Narretei.
Doch Luther lässt sich nicht beirren:
Bibel, Weck, Worscht, Woi trotzt allen Wirren!

So ist neben dem Hinweis aufs Reformationsjubiläum auch ein theologischer Akzent untergebracht. Denn wenn ein Mensch auf seine Taten sieht, wird er immer wieder auch Fehler und Schuld sehen. Aber in Gottes Augen und durch seine Barmherzigkeit sind die Menschen von ihm geliebte Menschenkinder und die „Freigelassenen der Schöpfung“. So redet Luther denn auch stets von beidem: Von verantwortlichem Handeln und Schuld, aber eben auch von der Freiheit.

Eine Tonne Bonbons und tausend Playmobil-Luther werden verteilt

Und da es von Luther immer wieder Überlieferungen gibt, dass er den Rheinwein geliebt und gerne gut gegessen hat, darf natürlich der regionale Bezug nicht fehlen. So hat der Reformator – neben dem Hammer zum Thesenanschlag in der rechten – Weck, Worscht und Woi in der linken Hand. Eine Bibel am anderen Ende des Wagens weist auf die Lutherbibel hin. „Mit den Motivwagen werden an Rosenmontag wichtige Ereignisse humorvoll thematisiert, so eben für uns Evangelische diesmal 500 Jahre Reformation“, freut sich Präses Dr. Birgit Pfeiffer vom Evangelischen Dekanat. Man verbreite so am Rosenmontag Luthers Botschaft eben mit Weck, Worscht und Woi unter den Menschen.

Das Wagengestell ist auch etwas anders gestaltet als üblich, denn alle Mitfahrenden befinden sich auf einer Ebene. Die Evangelische Kirche will mit dem Wagen im Rosenmontagszug Menschen auf das Reformationsjubiläum aufmerksam machen, die durch Bildungsveranstaltungen und Gottesdienste nicht erreicht werden.

Insgesamt sollen zum Umzug eine Tonne Lutherbonbons sowie Tausend Playmobil-Luther und Mini-Bücher zur Reformation unter die Mainzer Narren gebracht werden. So könnten die Zuschauer ein Stück Reformation mit nach Hause nehmen. Der Wagen wird von einer Posaunengruppe unterstützt, die eine Fastnachtsversion von „Ein feste Burg“ spielt. Der Präses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Dr. Ulrich Oelschäger lässt es sich nicht nehmen, auf dem Wagen mit von der Partie zu sein: „Die Mainzer Fastnacht gehört zur kulturellen Identität unserer rheinhessischen Region. Wir freuen uns, das für uns wichtigste kulturelle Ereignis dieses Jahres, das Reformationsjubiläum, auf diese Weise in die Öffentlichkeit tragen zu können“, erklärt er.

Informationen

Autor:luther2017.de Quelle:Evangelisches Dekanat Mainz/epd Datum:17-02-17
Schlagworte:
Rosenmontag, Martin Luther, Mainz, Reformationsjubiläum