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Wortereignis

Die Reformation als Bildungsbewegung

Als Martin Luther die Bibel übersetzte, ging er gegen die

übermächtige lateinische Überlieferung zu den hebräischen

und griechischen Urtexten zurück und folgte so dem Aufruf

der Humanisten, sich den Originalquellen zuzuwenden.

Luther verstand die Schrift als eine Ur-Kunde des Christentums,

durch deren Lektüre man Gott ganz persönlich

erfahren konnte. Dieser individuelle Zugang zu Gott und

Heil verlangte vom Gläubigen zugleich ein hohes Maß an

Bildung: Er musste verstehen lernen, was er da las. Mit der

Lutherbibel, die dank des neuen Buchdrucks massenhaft

verbreitet wurde, war die Heilige Schrift nicht mehr nur

Lateinkennern zugänglich, sondern allen Gläubigen in ihrer

Volkssprache. Luther schaute dem Volk „aufs Maul“ und

wirkte so an der Entwicklung der deutschen Sprache mit.

Mit dem protestantischen Schriftprinzip begann eine große

Bildungsbewegung, die sprachlich, theologisch und kulturell

die Welt veränderte.

Die Tagung widmet sich dem reformatorisch geprägten Wert

des Wortes und der Schrift und nimmt zugleich Persönlichkeiten

in den Blick, die auf unterschiedliche Weise an dieser

Bildungsbewegung beteiligt waren: Erasmus von Rotterdam,

der den Text des Neuen Testaments in seiner griechischen

Originalsprache editierte, Johann Amos Comenius, der die

moderne Pädagogik maßgeblich prägte und sich um die

religiöse Bildung der Menschen verdient machte, sowie Philipp

Melanchthon, der als großer reformatorischer Denker sogar

zum „Lehrer Deutschlands“ avancierte. Das abschließende

Podiumsgespräch erörtert die ungewisse Zukunft der durch

die Reformation vorbereiteten Sprach- und Schriftkultur.

Veranstaltung

Wortereignis

Münchner Volkshochschule - Einstein 28 Einsteinstraße 28 81675 München

20.05.17
9:30 - 20:00
Ansprechpartner

Münchner Volkshochschule

(089) 48006-6213
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