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„Nach Wittenberg zurückbringen, was in die Welt hinausgegangen ist“ – Fünf Großprojekte zum Reformationsjubiläum geplant

Ulrich Schneider ist Geschäftsführer des Vereins Reformationsjubiläum 2017 e.V.
(© epd-bild)

Zum Reformationsjubiläum 2017 werden in Wittenberg mehrere Hunderttausend Besucher erwartet. Die Organisatoren verhandeln derzeit noch über die Finanzierung der einzelnen Projekte. Geschäftsführer Ulrich Schneider spricht im Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) über den Stand der Planung, die Kosten und die Perspektive über 2017 hinaus.

epd: Fünf große Projekte sind zum Reformationsjubiläum 2017 rund um Wittenberg geplant – die Stichworte heißen Europäischer Stationenweg, Weltausstellung Reformation, Kirchentag auf dem Weg, Festgottesdienst und Konfirmanden-Camp. Wann geht es los?

Ulrich Schneider: Wir starten nach dem Reformationstag 2016 in Genf mit dem Europäischen Stationenweg durch 18 Länder und 66 Städte, die Geschichten über die Reformation damals und heute erzählen. Der Tross macht jeweils für etwa 36 Stunden auf einem zentralen Platz Station. In dieser Zeit gibt es einen Gottesdienst und eine große Veranstaltung. Mit einem Reisesegen geht es am nächsten Tag weiter.

epd: Das zweite Projekt heißt „Weltausstellung Reformation“ – ein großes Wort. Wird das eine Dimension wie die Expo in Hannover annehmen?

Schneider: Wenn man sie zur Größe der Stadt ins Verhältnis setzt, schon. Die „Weltausstellung Reformation“ gestalten wir in den Wallanlagen um die Altstadt herum. Wir laden ein, sich von Mai bis September 2017 zu präsentieren. Wir wollen nach Wittenberg zurückbringen, was von dort im 16. Jahrhundert in die Welt hinausgegangen ist. Wir wollen schauen, was die Reformation mit der Kirche gemacht hat und was das für uns heute und in Zukunft bedeutet.

epd: Kostet die Weltausstellung Eintritt?

Schneider: Ich gehe davon aus, dass die reguläre Tageskarte etwa 20 Euro kosten wird. Es wird natürlich auch Ermäßigungen und Kombitickets geben. 

epd: Zum Auftakt der Weltausstellung ist eine Festwoche geplant. Was soll geschehen?

Schneider: In dieser Woche findet der Deutsche Evangelische Kirchentag in Berlin statt und daneben „Kirchentage auf dem Weg“ in sechs mitteldeutschen Städten. Sie richten sich an spezielle Gruppen, zum Beispiel mit dem Thema Musik, wo über 10.000 Blechbläser in Leipzig erwartet werden. Weitere Themen warten auf die Besucher in Erfurt, in Weimar und Jena, in Halle, in Magdeburg und Dessau.

epd: Wie werden diese einzelnen Kirchentage verbunden?

Schneider: Zum Ende der Woche ist am 28. Mai 2017 ein großer Festgottesdienst in Wittenberg geplant, als Abschluss für den Kirchentag in Berlin und für die „Kirchentage auf dem Weg“. Wir rechnen für das Wochenende mit über 200.000 Menschen auf der Elbwiese mit Blick auf die Kulisse Wittenbergs. 

epd: Wie will man eine solche Zahl von Menschen über Nacht nach Wittenberg transportieren?

Schneider: Das ist eine große logistische Herausforderung. Nicht alle kommen über Nacht. Wir laden ein, schon am Samstagabend nach Wittenberg zu einer Taizé-Nacht zu kommen. Wir denken, dass dort 50.000 bis 70.000 Menschen übernachten können, viele davon auf der Wiese vor der Gottesdienstbühne. Und dann sollen morgens ab fünf Uhr Sonderzüge, Busse und Autos rollen. Am Sonntag sind der Gottesdienst, ein Begegnungsfest und ein Konzert geplant, mit dem von Wittenberg an diesem Tag auch eine politische Botschaft ausgeht.

epd: Das fünfte Projekt schließlich ist ein Konfirmandencamp. Gibt es noch freie Plätze?

Schneider: Es füllt sich, noch sind Plätze frei. Das Camp findet von Juni bis September 2017 statt auf einem Gelände, auf dem jede Woche 1.500 Jugendliche in Zelten unterkommen können. Wir haben schon 8.000 gebuchte Plätze. Ich bin zuversichtlich, dass sich das bis zu diesem Herbst füllen wird.

epd: Mit welchem Budget rechnen Sie für diese fünf Projekte?

Schneider: Im Moment gehen wir von insgesamt rund 50 Millionen Euro aus.

epd: Wo kommt das Geld her?

Schneider: Das Geld kommt zu einem großen Teil aus Zuschüssen der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Gliedkirchen – das wird weit über ein Drittel sein. Daneben gibt es öffentliche Zuschüsse von Kommunen, von Ländern und hoffentlich auch vom Bund. Wir sind noch in Verhandlungen, ebenso mit Partnern in der Wirtschaft und mit Sponsoren. Wir können noch keine konkrete Größenordnung nennen. Die weitere Säule sind Teilnehmerbeiträge für die „Kirchentage auf dem Weg“ oder die Weltausstellung.

epd: Stehen einige der genannten fünf Projekte auf der Kippe, solange die Finanzierung noch nicht sicher ist?

Schneider: Ich glaube, die Projekte stehen nicht grundsätzlich auf der Kippe. Aber man wird im Detail prüfen müssen, in welchem Umfang sie stattfinden, wenn die Finanzierung nicht so funktioniert wie geplant.

epd: In ostdeutschen Landtagen und Kommunen wird Kritik von Gruppen laut, die die Unterstützung kirchlicher Großereignisse mit staatlichen Geldern in Frage stellen. Sehen Sie dadurch das Projekt bedroht?

Schneider: Eine konkrete Bedrohung sehe ich nicht. Aber wir müssen diese Diskussion ehrlich führen und schauen, was kirchliche Großveranstaltungen zum gesellschaftlichen Leben beitragen. Das werden wir auch wirtschaftlich analysieren. Bei Deutschen Evangelischen Kirchentagen sind wir in der Vergangenheit zu positiven Ergebnissen gekommen – sie haben auch finanzielle Effekte für die Städte und Regionen.

epd: Was wird für Wittenberg nach der großen Investition in das Reformationsjubiläum 2017 bleiben?

Schneider: Wenn es uns gelingt, für 2017 eine gute Stimmung zu schaffen, wird davon auch Wittenberg profitieren. Die Stadt wird in aller Munde sein und ein positives Echo in Deutschland und weltweit auslösen. Das wird der Touristik helfen. Ganz konkret wird ein Panoramabild bleiben, das wir mit dem Künstler Asisi planen und noch mindestens fünf weitere Jahre vor Ort bleibt.

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