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Die Ernestiner.
Eine Dynastie prägt Europa

Diese Ausstellung ist mittlerweile beendet 

Unter dem Titel „Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa“ widmete sich erstmals eine kulturhistorische Landesausstellung dem Herrscherhaus der Ernestiner, jener Familie, die durch ihren Einsatz für Reformation und Protestantismus weit über Thüringens Grenzen hinaus Impulse setzte. 

Vom 24. April bis 28. August 2016 stellte die Thüringer Landesausstellung diese Herrscherfamilie vor, der bedeutende Persönlichkeiten, darunter Kurfürsten, Herzöge und Könige entstammen. In ihren ehemaligen Residenzstädten Weimar und Gotha veranschaulichten hochkarätige Exponate mehr als vier Jahrhunderte thüringischer und europäischer Geschichte und präsentierten eine Dynastie, welche die Geschicke ihrer Lande zwischen Reformation und dem Ende der Monarchie gelenkt und nachhaltig beeinflusst hat. Damit rückte die Schau die einst mächtige, heute jedoch fast vergessene Herrscherfamilie wieder in das öffentliche Bewusstsein. 

weiterführende Informationen

Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa

Mehr Informationen finden Sie auf der offiziellen Webpräsenz der Thüringer Landesausstellung 2016:

Die Ernestiner 2016 als Besuchermagnet

Die Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa“, hat sich als Besuchermagnet erwiesen. Auf 4.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche entwarf die Ausstellung ein Panorama.

I.

Die Ernestiner – Zwischen Reformation und Revolution

Unmittelbar vor dem 500. Reformationsjubiläum widmete der Freistaat Thüringen – ein Kernland der Reformation – seine Landesausstellung jener Herrscherfamilie, deren Einsatz für Martin Luther die Reformation erst ermöglichte. 

Von Anfang an beschützte Kurfürst Friedrich III. (1463-1525), genannt der Weise, sein Landeskind, den Reformator Martin Luther. Dessen 95 Thesen hatten 1517 die Missstände in der Katholischen Kirche angeprangert und dadurch die Reformation eingeleitet. Als auf dem Reichstag zu Worms  über Luther die Reichsacht verhängt worden war, ließ der Kurfürst ihn auf die Wartburg entführen, um ihn vor dem Zugriff des Kaisers zu schützen. 

Reformation ...

Als Reformation wird heute eine Erneuerungsbewegung im frühen 16. Jahrhundert bezeichnet, die in Deutschland überwiegend von Martin Luther angestoßen wurde und zu umfangreichen Veränderungen in Kirche und Gesellschaft führte.

Die Nachfolger Friedrichs, sein Bruder Johann der Beständige (1468–1532) und dessen Sohn, Johann Friedrich der Großmütige (1503-1554), setzten sich tatkräftig für den Schutz und die Verbreitung des protestantischen Glaubens in ihren Ländern zwischen Altenburg und Eisenach ein. So trieb Johann der Beständige die Reformation voran, löste Klöster auf, ließ Visitationen durchführen und legte die Pfarrer auf den Wittenberger Ritus fest.

Für die Ernestiner war das Bekenntnis zum lutherischen Glauben ein wesentliches Merkmal ihres Selbstverständnisses. Das sollte ihnen schließlich zum Verhängnis werden. Johann Friedrich der Großmütige musste für seinen Einsatz einen hohen Preis bezahlen. Als Anführer des Schmalkaldischen Bundes wurde er 1546 geächtet. Im darauf folgenden Schmalkaldischen Krieg erlebten er und seine protestantischen Truppen bei Mühlberg an der Elbe eine vernichtende Niederlage. Zwar wurde das Leben Johanns verschont, doch verlor seine Familie die Kurfürstenwürde, die damit an die albertinische Linie Sachsens überging. 

Der reformatorische Impuls blieb in ihren Herrschaftsbereichen aber nicht auf Glaube und Kirche beschränkt, sondern zeigte sich auch im Aufbau eines umfassenden Bildungswesens für jedermann. Die Ernestiner gründeten in Jena eine neue Hohe Schule, um die lutherische Lehre zu bewahren. Die spätere Universität sollte das neue, wahre Wittenberg sein. Auch ihre Residenzen, von denen noch heute viele in Mitteldeutschland aufgrund einer langen Reihe von Erbteilungen erhalten sind, waren mehr als nur Orte der fürstlichen Repräsentation. 

Ihren politischen Bedeutungsverlust versuchten die Ernestiner durch kulturelle Leistungen zu überspielen, indem sie nachhaltig Kultur, Wissenschaft und Bildung beförderten. So gaben ernestinische Fürsten dem jungen Johann Sebastian Bach eine Chance, verhalfen dem Theater in Meiningen zu internationalem Ansehen und unterstützten mit Johann Wolfgang von Goethe einen der herausragenden Literaten der damaligen Zeit. 

II.

Thüringer Landesausstellung 2016

Die Ernestiner sind eine heute weitgehend unbekannte Dynastie, die die Geschichte Thüringens, Deutschlands und Europas über 400 Jahre lang maßgeblich geprägt hat. Die gemeinsam von der Klassik Stiftung Weimar und der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha veranstaltete Landesausstellung stellte das Fürstenhaus der Ernestiner in zwei Städten und an vier Standorten auf insgesamt 4.000 m2 Ausstellungsfläche vor. Der Zeitrahmen der Schau reichte von 1485, der Leipziger Teilung, bis zum Ende der Monarchie 1918. Die Landesausstellung stand  unter der Schirmherrschaft von Seiner Majestät dem König der Belgier und Bundespräsident Joachim Gauck.  

Mit den Ausstellungsteilen in Weimar und in Gotha kamen zwei bedeutende frühere Residenzstädte der Ernestiner in den Blick. Hier, an diesen beiden geschichtsträchtigen Orten konnten die Besucherinnen und Besucher die Entwicklung der Dynastie und die politischen und kulturellen Auswirkungen ihres Einflusses bis heute nachvollziehen.  

Weimar

In Weimar führten die Ausstellungen im Neuen Museum und im Residenzschloss durch die drei Kapitel „Die Ernestiner und der Glaube“, „Die Ernestiner und das Reich“ sowie „Die Ernestiner und die Wissenschaft“. In insgesamt 20 Geschichten wurde das Handeln und Wirken der Ernestiner in einer themenübergreifenden Erzählung lebendig.

Von zentraler Bedeutung für das Schicksal und das Selbstverständnis der Ernestiner sind die Reformation und ihre Folgen. Mehrere Geschichten des Themas „Glaube“ widmeten sich den umwälzenden Ereignissen des 16. Jahrhunderts, die so maßgeblich von der Herrscherfamilie geprägt wurden. Das Residenzschloss mit seiner Schlosskapelle ist bis heute mit den politischen Predigten Martin Luthers und der Etablierung der neuen Konfession als Staatsreligion 1525 eng verbunden.

weiterführende Informationen

Klassik Stiftung Weimar

Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr Montags geschlossen, an Feiertagen geöffnet

Burgplatz 4

99423 Weimar

+49 (0) 3643 / 545-400

Auch der von hier aus im 19. Jahrhundert betriebene Wiederaufbau der Wartburg als Nationaldenkmal war ein Bekenntnis der Ernestiner zu ihrer Rolle als Beschützer des „wahren Luthertums“.  

Zugleich ist dieses Bekenntnis auch kennzeichnend für die wechselvolle Geschichte der Ernestiner zum „Reich“. Nach dem Eintreten der Fürsten für die Sache Luthers wurde das ehemals enge Verhältnis zum katholischen Habsburger Haus von Konflikten geprägt. Auf dem Höhepunkt der politischen Auseinandersetzung mit dem Kaiser verloren die Ernestiner die Kurfürstenwürde und einen Großteil ihrer Territorien.

Das Kapitel „Wissenschaft“ zeigte, dass die Förderung der Wissenschaften ein zentrales Anliegen ernestinischer Politik war und wesentlich deren Selbstverständnis prägte. Die Gründung der Universität Jena als Hohe Schule 1548 geschah, um nach dem Verlust der Universität Wittenberg eine neue Landesuniversität zu schaffen, an der das orthodoxe Luthertum gepflegt und erhalten wurde. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sie sich zu einem Ort freier Wissenschaft. In der Goethezeit erlebte die universitäre Forschung in der Doppelstadt Weimar-Jena eine erneute Blüte. 

Thüringer Schlosskirchen – Orte des Glaubens und der Repräsentation

Im Zug mit ... Karin Kolb

Interview mit der Kuratorin des Weimarer Teils der Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa“.

Gotha

Der Ausstellungsteil in Gotha konzentrierte sich auf die Themenbereiche „Die Ernestiner und das Land“, „Die Ernestiner und die Familie“ und „Die Ernestiner und die Künste“. Im Herzoglichen Museum und dem Schloss Friedenstein in Gotha, eine der kunst- und kulturhistorisch bedeutendsten Anlagen Thüringens, erwarteten Besucher prunkvolle Räume und Säle sowie eine reiche Kunstsammlung. Bis heute beeindruckt das Gebäude mit seiner frühbarocken Architektur.

Herzogliches Museum Gotha (Bild: www.ernestiner2016.de)

Nach dem Verlust der Kurwürde waren die Ernestiner territorial auf den mitteldeutschen Raum beschränkt. Bedingt durch eine geschickte Heiratspolitik spaltete sich die Dynastie zeitweise in bis zu zehn Nebenlinien, was einerseits zu der berühmten Kleinstaatlichkeit führte, andererseits aber auch die Grundlage für eine einzigartige Vielfalt: Denn jede Linie war darauf bedacht, ihre Herrschaft durch den Bau neuer Residenzen und Schlösser zu konsolidieren. Der Themenbereich „Land“  warf deshalb einen Blick auf diese territorialen Veränderungen. 

Das Kapitel „Familie“ nahm jene ausgeklügelte Heiratspolitik des Herrscherhauses in den Blick, dank der das Adelsgeschlecht im 19. Jahrhundert Verbindungen zu Fürstenhäusern in ganz Europa knüpfen konnte. Die Nachkommen wie etwa Königin Elisabeht II. von England regieren zum Teil heute noch. 

Der Aspekt „Künste“ stellte die intensive Förderung von Kunst und Kultur in den Mittelpunkt. Gerade in diesem Bereich spielten die Vernetzung der einzelnen Höfe miteinander und der künstlerische Austausch eine entscheidende Rolle. Die reiche Theaterkultur, die Begründung bedeutender musealer Sammlungen und die Kontakte der Ernestiner zu Malern, Komponisten und Bildhauern wurden ausführlich thematisiert.

Königin Victoria von England (1819-1901)

weiterführende Informationen

Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr Montags geschlossen, an Feiertagen geöffnet.

Schloss Friedenstein Gotha

99867 Gotha

+49 (0)3621 8234-0

Schutzmacht Luthers und Förderer der Künste

Thüringen bereitet für 2016 eine Landesausstellung über das Fürstenhaus der Ernestiner vor. Die Kurfürsten und Herzöge aus der Dynastie der Wettiner haben über 400 Jahre lang die Geschichte Thüringens und Deutschlands maßgeblich mitgestaltet.

Partner der Thüringer Landesausstellung 2016