Der geteilte Himmel

Reformation und religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr

Die Sonderausstellung „Der geteilte Himmel“ im Ruhr Museum in Essen präsentiert – pünktlich zum Jahr des Reformationsjubiläums – das Verhältnis und Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen und Konfessionen an Rhein und Ruhr. Die christlichen Konfessionen und das Judentum existierten hier über Jahrhunderte nebeneinander. Dabei ergaben sich besonders im 19. und 20. Jahrhundert  Verschiebungen in den konfessionellen Verhältnissen. Ursächlich dafür waren Migrationsbewegungen während der Industrialisierung und nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Neuankömmlinge brachten natürlich auch ihre religiösen Bräuche mit, so dass sich heute Schornstein und Kirchtürme den Himmel mit Synagogen, Moscheen und anderen religiösen Stätten teilen. 

Insgesamt werden in der Ausstellung über 800 Objekte gezeigt. Sie stammen von 250 Leihgebern – zahlreiche Museen, Archive und Bibliotheken, aber auch Religionsgemeinschaften und Privatleute stellten die Stücke zur Verfügung. Das Spektrum der Exponate ist groß, sowohl in zeitlicher und kultureller Hinsicht, als auch was die Gattungen betrifft. So finden sich in der Ausstellung neben Gemälden und Skulpturen auch Altargeräte, Möbel, Textilien, Grafiken und Bücher. 

I.

Blick in die Ausstellung (Bild: © Ruhr Museum/Deimel + Wittmar)

Zehn Kapitel zur Religionsgeschichte des Ruhrgebiets

Die Ausstellung erzählt chronologisch in zehn Kapiteln die Religionsgeschichte Nordrhein-Westfalens von der Reformation bis heute.

Den Anfang macht das Kapitel „Seelenheil. Frömmigkeit im Spätmittelalter“. Das im Spätmittelalter entwickelte System der Erinnerung an die Toten bildete nicht nur den Ursprung reicher Kirchenausstattung, sondern auch die wirtschaftliche Grundlage der Geistlichkeit. Der Kauf von Ablassbriefen war ein sichtbarer Ausdruck der Sorge um das Jenseits. Vor allem an ihnen entzündeten sich Luthers 95 Thesen. In „Umbrüche. Die neue Lehre“ beginnt die Zeit des geteilten Himmels. 1517 veröffentlichte Luther seine Thesen, in denen er sich gegen Missstände in der Kirche wandte. Zunächst strebte er innerkirchliche Reformen an, es begann jedoch die Kirchenspaltung. 

Bildnis Martin Luthers, Kupferstich von Heinrich Alegrever, 1540. (Bild: Stadt Soest/Burghofmuseum)

Kriegerische Auseinandersetzungen auf europäischer Ebene

Im Kapitel „Reformationen. Verläufe und Ausprägungen“ fallen die Reformideen auch an Rhein und Ruhr auf fruchtbaren Boden. Hier entstanden unterschiedliche gemischt-konfessionelle Situationen in den Städten und Territorien. Sie waren von Spannungen und Kompromissen, aber auch von einem friedlichen Miteinander geprägt. Das folgende Kapitel „Verflechtungen. Landesherrschaft und Religionspolitik“ thematisiert die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Rhein-Ruhr- Region im 16. und 17. Jahrhundert. Sie erreichten aufgrund der politischen Konstellationen europäische Ausmaße. Ob der Geldrische Erbfolgestreit, der Niederländische Unabhängigkeitskrieg, der Kölner Krieg, der Jülich-Klevische Erbfolgestreit oder schließlich der Dreißigjährige Krieg: Immer spielte die konfessionelle Ausrichtung der Konfliktparteien eine große Rolle. Erst der Westfälische Friede 1648 stabilisierte die Situation und führte zur Umsetzung der Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555. 

Diesem blutigen Abschnitt folgt das Kapitel „Individualisierung. Glaube und Vernunft“. Die Aufwertung des Individuums im 18. Jahrhundert führte zu neuen pietistischen Strömungen, aber mit der Aufklärung auch zu einer zunehmend säkularen Weltsicht. So entstand ein tieferes individuelles Frömmigkeitsverständnis, das sich auf die gesamte Lebenspraxis der Menschen erstreckte. Mit der französischen Besetzung des Rheinlandes und der Säkularisation, die die Auflösung der Klöster und das Ende der geistlichen Territorien bedeutete, änderte sich vieles. 

Goldmedaille auf die Unierung der evangelischen Kirche in Preußen. Henri François Brandt nach Karl Friedrich Schinkel, Königreich Preußen, 1817. (Bild: © Ruhr Museum/Rainer Rothenberg)

„Kontrolle. Kirche und Staat“ ist das nächste Kapitel überschrieben. 1815 fielen Landschaften mit einem hohen Anteil katholischer Bevölkerung an Rhein und Ruhr dem protestantischen Königreich Preußen zu. So waren konfessionelle Konflikte vorprogrammiert. Der größte Konflikt entwickelte sich zwischen katholischer Kirche und preußischer Regierung unter Bismarck. Die Innenpolitik im wilhelminischen Preußen war geprägt vom Kulturprotestantismus, der auf der engen Verbindung zwischen dem Staat und der protestantischen Kirche basierte. Daher distanzierten sich die Katholiken eher vom Staat, während der König an der Spitze der evangelischen Landeskirchen stand. Die Rolle als Staatskirche verlor die protestantische Kirche mit dem Ende des Kaiserreichs: Die Weimarer Republik stellte alle Religionsgemeinschaften rechtlich gleich. Im Nationalsozialismus versagten beide Volkskirchen, sie setzten dem Terror zu wenig entgegen. 

Sozialer Wandel im 19. Jahrhundert 

In den Kapiteln „Fürsorge. Karitatives Engagement“ und „Gemeinschaft. Religiöse Milieus in der Industriegemeinschaft“ werden der Wandel in der Sozialfürsorge und die Trennung der religiösen Milieus im Ruhrgebiet behandelt. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war Fürsorge ein Akt christlicher Nächstenliebe. Als Reaktion auf die soziale Verelendung des Industriezeitalters übernahmen die Kirchen große Teile der Sozialfürsorge, wobei sich auf protestantischer Seite die Diakonissen, auf katholischer vor allem die Ordensschwestern hervortaten. Das Sozial- und Bildungswesen war streng nach Konfessionen getrennt und auch im Alltag setzte sich die Trennung fort. Das Ruhrgebiet entstand durch die Einwanderung von Hunderttausenden sowohl katholischer als auch protestantischer Arbeiter. Unternehmer warben sie häufig nach ihrer eigenen konfessionellen Zugehörigkeit an. Die jungen Arbeiter waren in der Regel nicht politisch, sondern religiös geprägt. So wuchsen die konfessionell geprägten Milieus, die getrennt voneinander existierten.

Unter der Überschrift „Impulse. Neue Herausforderungen“ geht es um die Anwerbung von Arbeitskräften in der Nachkriegszeit. Kamen zunächst Menschen aus Südosteuropa, die zumeist katholischen Glaubens oder orthodoxen Kirchen angehörten, begann mit der Anwerbung von Arbeitskräften aus der Türkei der Zustrom von Muslimen, der sich mit den Flüchtlingsströmen aus arabischen Ländern bis heute fortsetzt. In den 1990er Jahren erlebten auch die jüdischen Gemeinden ein neues Wachstum, vor allem aufgrund der Zuwanderung aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion. 

Ausstellung „Der geteilte Himmel“ öffnet im Ruhr Museum

Zum Reformationsjubiläum zeigt das Ruhr Museum in Essen bis zum 31. Oktober die Sonderausstellung „Der geteilte Himmel“. Anhand kulturhistorischer Exponate wird die Religionsgeschichte Nordrhein-Westfalens seit der Reformation präsentiert.

Reformation & Ruhrgebiet: Ausstellung im Martin Luther Forum Ruhr

Unter dem Titel „Reformation & Ruhrgebiet“ können Besucher im Martin Luther Forum Ruhr in einem erfrischenden Mix aus aktueller Medien- Audio- und Lichttechnik, Texten, Bildern und Exponaten auf Spurensuche der Reformation gehen.

Das letzte Kapitel „Perspektiven. Religiöse Vielfalt heute“ zeigt den heutigen Status quo der Religionen an Rhein und Ruhr. Das Ruhrgebiet ist eine der am meisten religiös gemischten Regionen in Deutschland, wenn nicht in Europa. Die zahlreichen Migrationsbewegungen ins Ruhrgebiet, aber auch eine eingeübte Toleranz haben eine religiöse Vielfalt von über 250 Glaubensgemeinschaften entstehen lassen, die dem Grunde nach friedfertig miteinander oder zumindest nebeneinander leben. Sie stellen nicht nur eine religiöse, sondern auch eine kulturelle Bereicherung dar. Dies ist das Resultat einer Entwicklung, die vor 500 Jahren mit der Spaltung der bis dahin einheitlichen christlichen Kirche begonnen hat. 

Ölgemälde, der erste gedruckte Koran und Abendmahlsgerät

Besondere Highlights unter den teilweise noch nie ausgestellten Exponaten sind großformatige Ölgemälde aus der Frühen Neuzeit aus Bonn und Utrecht, die Kanzel einer muslimisch-arabischen Gemeinde in Bochum, der erste gedruckte Koran oder Ausstattungsstücke aus Tempeln und Synagogen des Ruhrgebiets. Aber auch kostbares Abendmahlsgerät, wertvolle Handschriften wie ein bunt illustriertes Pilgerbuch, frühe Druckschriften, eine Beschneidungsbank, Ikonen sowie Statuen aus dem Essener Domschatz sind in der Ausstellung zu sehen. 

Die Ausstellung „Der geteilte Himmel. Reformation und religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr“ ist Teil des gleichnamigen Projekts des Ruhr Museums mit dem Essener Forum Kreuzeskirche und dem Martin Luther Forum Ruhr in Gladbeck, das ein ganzjähriges Programm zum Reformationsjubiläum erarbeitet hat. Die Ausstellung findet im Rahmen von Luther 2017 und Refo500 statt.

II.

Religionsgemeinschaften im Vergleich

In Seitenkabinetten neben den Hauptstationen stellt die Ausstellung zentrale Themen der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften im Vergleich dar. Dabei reicht die Spanne von den Heiligen Schriften über Pilgerfahrten und Frömmigkeit bis zu den Jenseitsvorstellungen der Religionen.

Das erste dieser Seitenkabinette befasst sich mit „Heiligen Schriften“. Schriftlich fixierte Texte spielen in vielen Religionen eine besondere Rolle. Die als Heilige Schriften bezeichneten Texte sind für die Gläubigen göttlichen Ursprungs, da sie Gott selbst auserwählten Menschen diktiert oder per Inspiration eingegeben haben soll. Die Schriften sind oft Grundlage der religiösen Sozialisation, werden aber auch intensiv und vielfältig ausgelegt. So beziehen sich die monotheistischen Religionen Judentum, Islam und Christentum trotz der unterschiede in den Texten der Tora, des Korans und der Bibel auf die fünf Bücher Mose. Heilige Schriften gibt es nicht nur in monotheistischen Religionen, sondern auch im Hinduismus und Buddhismus.

Frömmigkeit und Lebensstationen

Statuette der Lakshmi. (Bild: Hindu Shankarar Sri Kamadchi Ampal Tempel e.V., Hamm/Rainer Rothenberg)

In der nächsten Station geht es um Frömmigkeit. Wer einer bestimmten Religion gemäß lebt und sein Handeln an deren Lehren orientiert, gilt als fromm. Leitfäden zur Orientierung sind heilige Schriften, religiöse Anweisungen, Gebetbücher oder auch magische Objekte. Gebet oder Meditation ziehen sich durch alle Religionen, oft geht eine rituelle Rei­nigung voraus. Zuhause finden Gebete im „Herrgotts­winkel“, an Hausaltären und in Gebetsecken statt. Bei den Gebetsketten finden sich überraschende Übereinstimmungen vom Rosenkranz bis zur buddhistischen Mala. In einigen Religionen sind Kleidungs- und Speisevorschriften Ausdruck der Frömmigkeit. In jeder Glaubensrichtung gibt es Zeichen, die göttlichen Schutz verkörpern und als Schmuckstücke oder Amulette am Körper getragen werden. 

In allen Religionsgemeinschaften werden wichtige Stationen im Leben von Ritualen begleitet. Als Einschnitte im Leben der Gläubigen geben sie diesem Sinn und strukturieren die religiöse Biografie. Riten markieren Übergänge zu neuen Lebensabschnitten. So finden Zeremonien und Handlungen statt, die die Gläubigen in der Gemeinschaft verankern. Beispielsweise ist die Taufe im Christentum Ritual der sichtbaren Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft. Jugendliche werden durch zeremonielle Handlungen zu vollwertigen Mitgliedern ihrer Gemeinden. Hochzeitsrituale unterscheiden sich in allen Religionen, aber immer verleihen sie einen neuen sozialen Status. 

Sterben, Tod und Pilgerfahrten

Vom Tod betroffen sind alle Menschen. Sterben, Bestatten, Trauern und Erinnern sind mit Emotionen verknüpft. Daher sagen Begräbnis­ und Trauerrituale viel über eine Gesellschaft und ihre Einstellungen aus. Zwar unterliegen die Bestattungsrituale in den verschieden Religionen bestimmten Regeln, diese sind jedoch Veränderungen unterworfen. Dies wird in der Anlage von Friedhöfen und Gräbern anschaulich. Hier sind Rückschlüsse auf die religiöse Orientierung möglich. Darüber, was nach dem Tod geschieht, gibt es unterschiedliche Vorstellungen in den Religionen. So kann der Himmel konkret oder metapho­risch aufgefasst werden, aber auch ein Zustand in einer anderen Daseinswirklichkeit sein. 

Märckisches Gesang-Buch. Ernst Friedrich Voigt, Hagen, 1769. (Bild: Steeler Archiv e.V., Essen/Rainer Rothenberg)

In vielen Religionen haben Gläubige das Bedürfnis, heilige Orte aufzusuchen. Sie glauben, dass ihre Gebete dort eher erhört werden. Das Christentum kennt vor allem Pilgerfahrten zu den Grabstätten von Heiligen, an denen immer wieder von Wundern berichtet wurde. Die Katholiken der Rhein­-Ruhr­ Region suchten häufig die Reliquienschätze in Aachen, Köln, Trier und Essen auf. Für Protestanten verbot sich das Aufsuchen heiliger Stätten mit der Abschaffung der Heiligenverehrung. Im Islam spielt das Pilgern eine wichtige Rolle. Ein gläubiger Muslim soll einem im Leben die Hadsch zu der Pilgerstätte antreten, die Abraham und sein Sohn Ismael in Mekka errichteten.

Feste, Rituale und Häuser des Gebets  

Religiöse Feste und Rituale strukturieren das Jahr und den Alltag. Im Laufe der Zeit können sich die Ordnungen, denen sie folgen, verändern. Auch sind sie regional mitunter unterschiedlich ausgeprägt. Für praktizierende Gläubige ist in Judentum, Christentum und Islam  der wöchentlich wiederkehrende Besuch eines Gebetsraumes üblich. Festtage werden in Gemeinschaft begangen und stellen Gemeinschaft her. Gerade in einer Diasporasituation ist das Feiern von Festen und Ritualen von großer Wichtigkeit, um kul­turelle Bezüge und Bindungen nicht zu verlieren. In den monotheistischen Religionen gehört zu den wich­tigsten Festen eine Zeit des Fastens.

Zur Reformationszeit kam es selten zu Kirchenneubauten, da bestehende Gebäude weiter genutzt wurden. Sie passte man mit neuen Ausstattungsstücken den veränderten liturgischen Bedürfnissen an. Erst mit der Zuwanderung von Arbeitskräften Ende des 19. Jahrhunderts setzte an Rhein und Ruhr ein massiver Kirchenneubau ein. Auch repräsentative Synagogenbauten fallen in diese Zeit. Oft wurden neue Materialien und Konstruktionselemente aus der Industriearchitektur benutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es Ende der 1950er Jahre zu zahlreichen kirchlichen Neubauten; sie wurden von den bedeutendsten Architekten Deutschlands geplant. Heute sind christliche Gemeinden von Kirchenschließungen betroffen, aber jüdische und muslimische Gemeinden bauen neu. Der Bau eines Hindu­tempels in Hamm ist auch Ausdruck der Migrationsgeschichte. 

Propaganda, Schulen und Klangwelten 

„Die Versuchung Christi“ mit Martin Luther als Teufel. Gemälde von Bartholomäus Bruyn d. Ä., Köln, 1547, aus dem Kölner Karmeliterkloster. (Bild: LVR-LandesMuseum Bonn/Jürgen Vogel)

Luthers Kirchenkritik löste eine breite gesellschaftliche Debatte aus. Der Buchdruck ermöglichte die rege Produktion von Streitschriften und eingängigen Bildern. Sie wurden zu Instrumenten der Propaganda zwischen Lutheranern, Katholiken und Calvinisten. Teufelsvergleiche waren auf beiden Seiten beliebt. Diffamierende Judendarstellungen gab es seit dem Mittelalter, aber auch noch nach der Aufklärung. Antiklerikale Bilder der deutschen Satirezeitschriften richteten sich um 1900 gegen die Verbindung von Kirche und Kapital sowie die doppelzüngige Sexualmoral. Auch heutige Karikaturisten thematisieren die­selben kirchlichen Missstände, denn Religion wird stets an ihrer selbstauferlegten Moral gemessen. Zuletzt lösten die Mohammedkarikaturen und der Anschlag auf Charlie Hebdo neue Diskussionen über religiöse Bildsatire aus. 

Die Reformation gestaltete auch das Schulwesen völlig um. Bildung war ein hoher Wert, jeder sollte die Bibel und andere Bücher selbst lesen können. Die Spaltung der Kirchen bestimmte später auch die Schulpolitik. Über Jahrhunderte blieben Schulen konfessionell getrennt und den Kirchenbehörden unterstellt. In größeren Städten des Ruhrgebiets wurden huma­nistische Gymnasien zur Ausbildung von Pfarrern und Verwaltungsbeamten gegründet. Pietismus und Aufklärung brachten die Durch­setzung der allgemeinen Schulpflicht und die staat­liche Verankerung des Bildungswesens. Bis heute vermitteln die Religionsgemeinschaften mit eigenen schulischen Angeboten ethische Grundwerte ihrer Glaubensrichtungen. 

Außerdem legt die Reformation den Grundstein für eine neue Musikkultur. Das erste gemeinsame Singen deutscher Lieder im Gottesdienst gilt oft als der Beginn der Reformation in einem Ort. Einige der bekanntesten Gesangbuchlieder entstanden an Rhein und Ruhr. Das gemeinsame Singen macht jedoch auch in den katholischen Gemeinden einen wichtigen Teil der Liturgie aus. Musik berührt die Seele und wird in allen Reli­gionen als Botschaft zwischen dem Sakralen und dem Irdischen eingesetzt. Dieser Zusammenhang ist jedoch kulturell gebunden. So erhöht „fremde“ Musik zunächst die Distanz, biete aber auch die Chance der Annäherung zwischen den Kulturen. Die religiöse Vielfalt spiegelt sich in einer Fülle neuer Töne und Geräusche. In den Zentren der verschiedenen Religionen ertönt geistliche Musik als Chor, Mantra, Rezitation, Orgelmusik, Glockengeläut, Muezzinruf und Gospel. 

III.

Panorama der Zeche Zollverein. (Bild: Wikimedia Commons/Nordenfan, CC BY-SA 3.0)

Der Ausstellungsort

Das Ruhr Museum befindet sich in der Kohlenwäsche der Zeche Zollverein, das seit 2001 Welterbe der UNESCO ist. Als „Kathedrale der Industriekultur“ zeigt es die Geschichte der Region in ihren unterschiedlichen Aspekten, vor allem in seiner 2010 eröffneten Dauerausstellung, aber auch in seinen vielfältigen Sonderausstellungen. Nach der großen Mittelalterausstellung „Gold vor Schwarz“ 2008/09 und der Ausstellung zur Spätantike und zum Frühmittelalter „Werdendes Ruhrgebiet“ im Jahr 2015 zeigt die Ausstellung „Der geteilte Himmel“ in den fensterlosen Bunkern der 12m-Ebene die darauffolgende Zeit von der Reformation bis heute.