Halle
Halle - Residenz von Luthers Gegenspieler
Foto: Thomas Ziegler, Stadt Halle/SaaleDer Dom zu Halle: Die ursprünglich schlichte Dominikanerkirche gestaltete Kardinal Albrecht zu seinem Stiftsdom um. Martin Luthers Spuren in Mitteldeutschland führen nicht nur nach Eisleben, dem Geburts- und Sterbeort des Reformators, und nach Wittenberg, seiner Hauptwirkungsstätte. Was die kirchenpolitischen Folgen seines Wirkens betrifft, ist Halle die „Wiege der Reformation“.
In Halle residierte knapp 30 Jahre lang Martin Luthers größter Gegenspieler: Kardinal Albrecht, Erzbischof von Magdeburg und Mainz, nach dem Papst der ranghöchste kirchliche Würdenträger im "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation". Der Kardinal liebte prunkvolle Kunst und repräsentative Bauten, die er zu großen Teilen mit den Einnahmen aus dem Ablasshandel finanzierte.
Die 95 Thesen gingen per Post nach Halle
Unter anderem war es dessen ausschweifender Lebensstil, der Luther am 31. Oktober 1517 veranlasste einen Brief an den Kardinal aufzusetzen, dem die berühmten 95 Thesen beilagen. Luthers scharfe Verurteilungen des kirchlichen Ablasshandels zielten somit direkt auf Halle. Die weiteren Auseinandersetzungen zwischen Martin Luther und Kardinal Albrecht erschütterte die römische Kurie in ihren Grundfesten. 1541 schließlich musste der Kardinal seine Residenzstadt Halle unter dem Druck der Reformationsbewegung verlassen.
Totenmaske und Abdruck seiner Hände
Foto: Thomas Ziegler, Stadt Halle/SaaleTotenmaske und Abdruck der Hände Martin Luthers Nach Luthers Tod 1546 in Eisleben wurde sein Leichnam bei der Überführung nach Wittenberg für eine Nacht in Halle aufgebahrt. Die Totenmaske und ein Abdruck seiner Hände, die heute in einer Krypta der Marktkirche „Unser Lieben Frauen“ zu sehen sind, wurden dem Toten hier abgenommen.
Im Original erhalten ist auch die Kanzel, von der Martin Luther mehrfach in Halle gepredigt hat. Zudem gehört zur Marktkirche auch die älteste und wahrscheinlich größte evangelische Kirchenbibliothek Deutschlands. Die Marienbibliothek beherbergt verschiedenste Lutherbibeln mit Notizen von der Hand des Reformators.
Pietistismus und Pädagogik
Auch nach Luthers Lebenszeit bleibt Halle ein wichtiger Ort für den Protestantismus. Vor den Toren der Stadt gründete der Pfarrer und Universiätsprofessor August Hermann Francke 1698 eine Schulstadt, die heutigen Franckeschen Stiftungen zu Halle. Die Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen greifen die pädagogischen Impulsen der Reformation auf und verbreiteten den Halleschen Pietismus weltweit. Das baulich einmalige Ensemble ist bis heute erhalten und beherbergt derzeit rund 50 Einrichtungen, die mit den Ideen und dem Werk Franckes in enger Beziehung stehen.



































