
3. KlangThesen zum Hören
Martin Luther hat seine 95 Thesen vor fast 500 Jahren veröffentlicht. Kunst nähert sich diesem Ereignis auf besondere Weise: Michael Muschner, Komponist und Klangkünstler, Berlin, hat aus biblischen Texten und den Stimmmelodien derer, die diese Texte heute im Gottesdienst lesen, zwölf Stücke komponiert – zwölf KlangThesen. Jeden Monat wird eine von ihnen ununterbrochen in der Schlosskirche zu Wittenberg zu hören sein – ein Kirchenjahr lang. Dabei hat die Musik einen zurückhaltenden, „meditativen“ Charakter mit geringer Lautstärke. Aus den Fensteröffnungen im Erdgeschoss des Kirchturms erklingt Musik, in geringem Abstand auf dem Vorplatz der Kirche gerade noch wahrnehmbar. Jede neue KlangThese wird an je einem Sonntag im Monat immer um 17 Uhr mit einer Abendliturgie und einer weiteren, künstlerischen Intervention eingeführt.
Wie komponiert man Wortklang? Der Künstler beschreibt den Prozess folgendermaßen: Die biblischen Texte werden verlesen und aufgenommen. Der so fixierte Sprachklang bildet das Klangmaterial des musikalischen Kompositionsprozesses. Die Kompositionen werden am Computer verarbeitet und im Tonstudio fertiggestellt. Durch die Bearbeitung des Klangs tritt die semantische Ebene der Sprache in den Hintergrund, es bleibt der reine Klang. Zu jeder Komposition wird eine Textpostkarte verteilt, die den Hörern das Projekt und die Bedeutungsebene des Textes nahebringt, visuell und zum Mitnehmen.
ab 28. November 2009 in der Schlosskirche Wittenberg