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Die Reformation ist ein Medienereignis gewesen – einschneidende theologische Erkenntnisse und kommunikationsgeschichtliche Fortschritte trafen aufeinander und hatten sich gegenseitig bedingt. Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks ermöglichte neue Mittel und Wege der Kommunikation. Flugblätter entstanden und wurden mit Bildern und Holzschnitten illustriert, die in der Wittenberger Cranach-Werkstatt in Massenverfahren hergestellt wurden. Die 1534 in Wittenberg gedruckte gesamtdeutsche Bibel hatte sich aufgrund der enorm hohen Auflage rasant verbreitet und erstmals auch niederen Bildungsschichten einen Zugang zu Sprache, Kommunikation und Medien eröffnet. Es sind diese Themen, denen sich das Themenjahr 2015 „Reformation – Bild und Bibel“ widmete.

Die Macht der Bilder

Am Reformationstag, 31. Oktober 2014, wurde das achte Themenjahr der Lutherdekade feierlich mit Festgottesdienst, Festvortrag und Empfang im Hamburger Rathaus und der Christianskirche eröffnet. Es knüpfte an die mediale Revolution des 16. Jahrhunderts, welche die Verbreitung der Reformation überhaupt erst ermöglichte. Unsere heutige Zeit steht dem medialen Umbruch des ausgehenden Mittelalters kaum nach. Heute wie damals sind wir Akteure und Zeugen einer gewaltigen Medienrevolution. War einst das Bild der neue „Renner“ (mit Familie Cranach als Manufaktur), gibt es heute den Bildschirm in allen Größen. 

Ob bei Expertentagungen, Sonderausstellungen in Hamburg und Frankfurt, oder in Vorträgen – die Macht der Bilder war 2015 ein zentrales Thema. Sei es durch die mediale Bilderflut, der wir täglich ausgesetzt sind, oder Bilder, die den Menschen in früheren Jahrhunderten als Bezugspunkt ihres Glaubens dienten – die Wirkmacht von Bildern bleibt dabei unbestritten. Unter dem Motto „Buch.Bild.Provokation“ wurde in Nürnberg in einer Reihe von Veranstaltungen und Gottesdiensten auf diese Wirkung der Bilder eingegangen. In einem Medienkonzil befasste man sich in der Stadt an der Pegnitz mit den Auswirkungen der digitalen Welt auf den heutigen Menschen, während zugleich die Rolle Nürnbergs als Medienzentrum des ausgehenden Mittelalters untersucht wurde. 

Das Thema der Medienentwicklung wurde auch in Mainz aufgegriffen: Das Gutenberg-Museum präsentierte in der Ausstellungsreihe „Am 8. Tag schuf Gott die Cloud“ die Reformation als Medienereignis in Text und Bild. Überhaupt hatte 2015 die Reformation einen großen Auftritt in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, wie die weiteren Ausstellungen im Landesmuseum und im Dom- und Diözesanmuseum zeigten. 

Auf den Spuren einer Malerfamilie  

Niemand hat unser heutiges Bild von der Reformation so nachhaltig geprägt wie die Malerfamilie Cranach. Durch die Porträts von Lucas Cranach dem Älteren wissen wir heute noch, wie Martin Luther, seine Wegbegleiter aber auch seine Widersacher aussahen. Gemälde, Flugblätter und Drucke aus der Cranach-Werkstatt hatten in hohen Auflagen dafür gesorgt, dass die Erneuerer und ihr Denken weithin bekannt wurden. Das Themenjahr „Reformation – Bild und Bibel“ stand deshalb ganz im Zeichen des Schaffens und Wirkens der Renaissance-Malerfamilie: Vom fränkischen Kronach über das kleine sächsische Schneeberg bis nach Weimar und Erfurt wurden die berühmten Werke der Familie Cranach ausgestellt, die Geschichte von Vater und Sohn erzählt und ihre Werke von verschiedenen Seiten beleuchtet. Thüringen widmete dem älteren Cranach sogar ein eigenes Themenjahr: „Bild und Botschaft“ rückte in fünf großen Ausstellungen mit bedeutenden Gemälden und Grafiken die Cranachs in ein neues Licht. 

Die Lutherstadt Wittenberg wurde zwischenzeitlich zur „Cranach-City“. In der Landesausstellung „Lucas Cranach der Jüngere“ feierte Sachsen-Anhalt vom 26. Juni bis 1. November 2015 den 500. Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren. An originalen Schauplätzen – in der Lutherstadt Wittenberg, in Dessau und in Wörlitz – präsentierten die Ausstellungsmacher die wichtigsten und wertvollsten Kunstwerke der deutschen Renaissance in einer einzigartigen Exposition.

1. Nationale Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“

Doch die Errungenschaften Martin Luthers wären ohne den Schutz und die Unterstützung der sächsischen Kurfürsten nicht möglich gewesen. Das spannende Verhältnis zwischen Reformatoren und deutschem Hochadel beleuchtete die 1. Nationale Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“ auf Schloss Hartenfels in Torgau. Die kleine Stadt an der Elbe war Anfang des 16. Jahrhunderts das politische Zentrum Sachsens und damit auch der Reformation. Auf rund 1.500 Quadratmeter zeigte die Ausstellung vom 15. Mai bis 31. Oktober, wie sich die Art der Selbstdarstellung und das Selbstverständnis des Herrschers durch den Einfluss der reformatorischen Lehren grundlegend verändert hatten. Die Ausstellung, die in den ersten 100 Tagen bereits von 35.000 Interessierten aus aller Welt besucht worden war, bildete den Auftakt zu den vier Nationalen Sonderausstellungen des 500. Reformationsjubiläums.

Unterwegs mit der Staatlichen Geschäftsstelle „Luther 2017“

Während die „großen Ausstellungen“, die Menschen zur Teilnahme an der Lutherdekade einluden, liefen im ganzen Land die Planungen für das Reformationsjubiläum auf Hochtouren weiter. Um über den Stand der Vorbereitungen zu informieren, hatte die Staatliche Geschäftsstelle „Luther 2017“ Chefredakteure auf eine Medienreise eingeladen, um einen ausführlichen Blick auf die bisherigen Veränderungen und Vorhaben zu werfen. 

Wie groß das Interesse am Reformationsjubiläum ist, wurde auf der Tourismusmesse in Berlin, der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) spürbar. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den UNESCO-Welterbestätten und den unterschiedlichen Markensäulen des Deutschlandtourismus durften 500 Jahre Reformation natürlich nicht fehlen. Die Staatliche Geschäftsstelle „Luther 2017“ war deshalb erstmals mit einem eigenen Stand unter dem Dach der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) vertreten. Die Besucherströme an den Messeständen der mitteldeutschen Bundesländer belegten die steigende Neugier am 500-jährigen Jubiläum. Martin Luther, die Reformation aber auch das Wirken der Cranach-Familie waren zentrale Anlaufpunkte.

Um Aufschluss über den Stand der Vorbereitungen zu geben, lud die Staatliche Geschäftsstelle „Luther 2017“ im November 2014 zum zweiten „Jour Fixe mit Luther“ in die Berliner Kalkscheune ein. Die Tagung präsentierte die staatlich-weltlichen Aktivitäten im Rahmen der Lutherdekade und gab einen Ausblick auf die kommenden Jahre bis zum Reformationsjubiläum. Neben der Vorstellung touristischer Höhepunkte diskutierte ein hochkarätig besetztes Podium über den Menschen Martin Luther. Zum Abschluss des Jour Fixe wurde der Kurzfilm „Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum“ der Staatlichen Geschäftsstelle „Luther 2017“ vorgestellt.

Um sich bewusst mit den Auswirkungen der Reformation auseinanderzusetzen, lud die Staatliche Geschäftsstelle „Luther 2017“ im September zu einem Poetry Slam ein. Sechs der besten Poetry Slammer des Landes waren diesem Aufruf gefolgt und traten mit ihren Texten in einem Wettbewerb gegeneinander an. Anhand der drei Themenslams „Deutsche Sprache“, „Bildung“ und „individuelle Freiheit“ zeigten sie, wie aktuell die Reformation auch nach 500 Jahren noch ist – und dass das Thema eben mehr als Kirche und Religion umfasst. 

Wissenschaftlicher Beirat nimmt die Folgen der Reformation in den Blick

Die Bedeutung der Reformation für die Gesellschaft arbeitete auch der Wissenschaftliche Beirat „Reformationsjubiläum 2017“ heraus. Auf einer Podiumsdiskussion in Berlin unterstrichen hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Chancen und Möglichkeiten, die sich durch das 500. Reformationsjubiläum ergeben. Zugleich wies der Wissenschaftliche Beirat in seiner Schrift „Die Reformation und die Juden. Eine Orientierung“ darauf hin, dass die Erinnerung an die Schattenseiten der Reformation und die Aufarbeitung der verhängnisvollen Wirkung von Luthers späten Judenschriften zu den unverzichtbaren Aufgaben des Reformationsjubiläums gehören. Auch die Kirchen distanzierten sich mit klaren Worten von Luthers Aussagen gegenüber den Juden.

Kirchentag in Stuttgart

„Damit wir klug werden“ – unter diesem Motto empfing die Stadt Stuttgart vom 3. bis 7. Juni zum 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Unter Federführung der Staatlichen Geschäftsstelle „Luther 2017“ sowie des „Reformationsjubiläum 2017 e.V.“ erwartete die Besucher auf dem „Forum Reformation“ wieder ein vielfältiges Programm: Neben zahlreichen Informationsmöglichkeiten rund um die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum luden hochrangig besetzte Gesprächsrunden und ein sprichwörtlicher Spaziergang durch Mitteldeutschland dazu ein, die Reformation zu entdecken. Ein besonderes Highlight war der Besuch des Bundespräsidenten Joachim Gauck. 

… und der „Mini-Luther“

Eine Spielzeugfigur avancierte 2015 zum Inbegriff der Begeisterung für das Reformationsjubiläum: Anfang des Jahres erschien eine Playmobil-Version von Martin Luther, die alle Erwartungen übertraf. Nach nicht einmal 72 Stunden war sie schon restlos ausverkauft und eine zweite Edition wurde in Auftrag gegeben. Seither kursieren in allen Medien Bilder, auf denen Menschen aller Altersklassen mit dem „Mini-Luther“ posieren: Martin Luther als Begleitung des EKD-Ratspräsidenten auf der der EKD-Synode, Martin Luther als Geocash auf Reisen, Selfies mit Martin Luther-auf der ITB.


Das Programmheft zum Themenjahr steht auf der Seite als PDF-Download zur Verfügung.

1. Nationale Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“

Cranach der Jüngere – Landesausstellung Sachsen-Anhalt

Eröffnung des Themenjahres „Reformation – Bild und Bibel“

Mit einem Festakt wurde in Hamburg das Themenjahr „Reformation – Bild und Bibel“ eröffnet.

Info

Perspektiven für das Reformationsjubiläum 2017 Schrift des Wissenschaftlichen Beirats der Lutherdekade (PDF)

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Die Reformation und die Juden. Eine Orientierung Schrift des Wissenschaftlichen Beirats der Lutherdekade (PDF)