Befreiende Botschaft zum Reformationstag

Protestanten feiern - Eröffnung des Themenjahres "Reformation und Toleranz"

Präses Nikolaus SchneiderFoto: epd-bild/ Andreas PögePräses Nikolaus Schneider in der Thomaskirche in Leipzig.Protestantische Christen feiern heute bundesweit den Reformationstag. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, erinnerte in einem von der ARD übertragenen Festgottesdienst in Leipzig an die zentrale Botschaft Martin Luthers von der Gnade Gottes. Diese befreie "Menschen zu allen Zeiten von Leistungsdruck und Größenwahn", sagte Schneider in der Thomaskirche. Am Reformationstag betonten Politiker zudem den Einfluss der Religion auf die Gesellschaft.

Friedrich: "Wirkliche Toleranz bedeutet eine aktive Haltung"

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte die Kirchen auf, Impulse für mehr Toleranz im Zusammenleben der Religionen zu geben. "Nur zu akzeptieren, was nicht geändert werden kann, ist kein Akt der Toleranz", sagte Friedrich. Wirkliche Toleranz auch im christlichen Sinn bedeute eine aktive Haltung: "Den anderen verstehen wollen, sich um ihn bemühen."

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) würdigte die Reformation als historisches Ereignis. Die Idee, den Reformationstag im Jahr 2017 zum 500. Jahrestag des legendären Thesenanschlags durch Martin Luther zu einem bundesweiten Feiertag zu machen, halte er "zumindest für prüfenswert", sagte Henkel. "Martin Luther und die Reformation haben auch für mich als Katholiken eine Bedeutung", fügte er hinzu. Als katholischer Christ verbinde er mit der Reformation die Bedeutung, dass sich die Christenheit immer wieder neu auf Jesus Christus besinne.

Martin-Luther-Medaille an Helmuth Rilling verliehen

Mit dem Festgottesdienst in Leipzig wurde zugleich die Jubiläumswoche zum 800-jährigen Bestehen der Thomaskirche eröffnet. Auch wurde auch die Martin-Luther-Medaille der EKD an den Stuttgarter Kirchenmusiker Helmuth Rilling (79) verliehen. Der Dirigent ist weltweit als Interpret des Komponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) bekannt. Das Jubiläum ist ein Höhepunkt der Lutherdekade, die in diesem Jahr dem Schwerpunkt "Reformation und Musik" gewidmet war.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber, unterstrich das ökumenische Miteinander der verschiedenen Kirchen. "Was wir zusammen tun können, tun wir zusammen, was wir nicht gemeinsam tun, haben wir zu begründen", sagte Weber in einem Festgottesdienst im Kaiserdom Königslutter bei Braunschweig. Durch die Reformation im 16. Jahrhundert habe sich die Kirche lediglich ausdifferenziert, ähnlich wie eine Familie, die sich auseinanderlebe.

Themenjahr "Reformation und Toleranz" wird eröffnet

Der christliche Glaube ist nach Ansicht des Schleswiger Bischofs Gerhard Ulrich keine Privatsache, sondern beruft die Menschen zum gesellschaftlichen Einsatz gegen soziale Missstände, Fremdenhass und Ungerechtigkeiten. Christen würden nicht ihre Augen verschließen etwa vor Werftenkrise und Arbeitslosigkeit, die die Menschen insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern ängstigten, sagte der evangelische Theologe in Rostock.

In Worms wird am Mittwochabend das neue Themenjahr "Reformation und Toleranz" der Lutherdekade eröffnet. Damit ist zugleich Halbzeit der Dekade, mit der die evangelischen Kirchen sowie Bund, Länder und Gemeinden das Reformationsjubiläum 2017 vorbereiten. Am Reformationstag werden zudem rund 100.000 vor allem junge Gäste zu sogenannten ChurchNight-Aktionen und Luther-Partys erwartet. Damit soll ein Kontrast zu den verbreiteten Gruselevents an Halloween gesetzt werden.