Thesen und Plädoyers für einen ökumenischen Blick auf das Reformationsjubiläum
Foto: iStockphotoAufeinander zugehen zum Reformationsjubiläum.Zum Reformationstag hat der Magdeburger katholische Bischof Gerhard Feige erneut "Thesen" zur Ökumene vorgelegt. Darin ermuntert er dazu, bis zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags durch Martin Luther 2017 die Ursachen und Auswirkungen der Reformation ökumenisch aufzuarbeiten. Feige ist seit Ende September Vorsitzender der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz. Ähnliche Thesen hatte er bereits vor dem Reformationstag 2009 veröffentlicht.
Laut Feige wäre es hilfreich, wenn die Konfessionen ein möglichst gemeinsames Verständnis darüber erreichen würden, was sich mit der Kirchenreformation vollzogen hat. Die Spaltung der Kirche sei in jeder Hinsicht kontraproduktiv und eine vielleicht heilsame Herausforderung, auf 2017 ökumenischer zuzugehen, schreibt der Bischof in seinen "Katholischen Thesen zum Reformationsgedenken 2017".
Feige schlägt "Reinigung des Gedächtnisses" oder "Heilung der Erinnerungen" vor
Auch Überlegungen zu einer "Reinigung des Gedächtnisses" oder einer "Heilung der Erinnerungen" könnten auf theologischer Ebene und in den Gemeinden vorangebracht werden. Reformation und Gegenreformation hätten zu polemischen und gewaltsamen Auseinandersetzungen sowie zu schmerzlichen Konflikten und Verhärtungen geführt, erinnert Feige. Hier könne 2017 ein "konkretes Zeichen der Buße und der Bereitschaft zur Vergebung, der Umkehr und Versöhnung" gesetzt werden.
Auch Margot Käßmann, die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum, hat kürzlich erneut dafür plädiert, beim Reformationsjubiläum im Jahr 2017 die Ökumene im Blick zu behalten. Die 500-Jahr-Feier der von Martin Luther angestoßenen Reformation sei "keine rein evangelische Angelegenheit", sagte die frühere Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende bei einer Diskussion in der Speyerer Gedächtniskirche der Protestation.
Käßmann: "In einer säkularisierten Gesellschaft hat das gemeinsame Zeugnis Gewicht"
Die enorme Herausforderung liege darin, dem Jubiläum eine deutlich ökumenische Dimension zu geben und andererseits evangelische Klarheit zu bewahren, sagte Käßmann. In einer säkularisierten Gesellschaft habe das gemeinsame Zeugnis von Christinnen und Christen ein großes Gewicht.
Im Blick auf das Jubiläumsjahr 2017 sei ihr Wunsch, dass sich das ökumenische Denken ausbreite und weitere Schritte auf dem Weg zur Überwindung der Kirchenspaltung gegangen würden. Protestanten und Katholiken eine mehr, als das, was sie trenne, sagte die Lutheranerin. Mitglieder beider Konfessionen wünschten sich auch Veränderungen in ihren Kirchen.
Der Protestantismus sei souverän genug, bei seinem Jubiläum keinen "Luther-Kult" zu betreiben und einen kritischen Blick auf den Reformator und die Reformation zu wagen, machte die prominente Theologin deutlich. Luther habe seine Kirche reformieren, aber nicht spalten wollen. Die Ideen der Reformation, die Glaubens- und Gewissensfreiheit des Einzelnen und der Bildungsgedanke, könnten auch für andere christliche Konfessionen anregend wirken.


































