Nolte, Dröge und Dorgerloh für Feiertag zum 500. Reformationsjubiläum
Foto: epd-bild/akg-images/Ferdinand Pauwels"Martin Luthers Thesenanschlag": Gemälde von Ferdinand Pauwels, 1872.Kirchenvertreter, Historiker und Politiker haben einen einmaligen bundesweiten Feiertag zum 500. Reformationsjubiläum im Jahre 2017 ins Gespräch gebracht. Der Berliner Historiker und Publizist Paul Nolte nannte einen solchen Schritt ein "Signal für die überragende Bedeutung des Ereignisses Reformation". Die Reformation sei nicht nur irgendeine evangelische Episode, sondern ein Ereignis, das "unser Land und seine Kultur bis heute tief prägt". Der Berliner Landesbischof Markus Dröge und Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh unterstützten das Anliegen, den 31. Oktober 2017 als bundesweit einheitlichen Feiertag zu begehen.
Dröge: "Freiheit und aktive Weltverantwortung bewusst machen"
Foto: epd-bild/Rolf Zoellner Berliner Landesbischof Markus DrögeDer Thesenanschlag Martin Luthers (1483-1546) am 31. Oktober 1517 an die Tür der Wittenberger Schlosskirche gilt als der Ausgangspunkt der Reformation. Der Reformator prangerte damit kirchliche Missstände und den Ablasshandel an. Das Datum wird heute von evangelischen Christen weltweit als Reformationstag begangen.
Dröge sagte, der evangelischen Kirche liege daran, auf dem Weg zum Jubiläum die Erkenntnisse der Reformation wie Freiheit, Menschenwürde und aktive Weltverantwortung wieder neu bewusst zu machen. "Das sind Themen, die heute hoch aktuell sind", unterstrich er. Den 31. Oktober 2017 zum bundesweiten einmaligen Feiertag zu machen wäre "ein deutliches Zeichen, dass wir diese Anliegen in unserer Gesellschaft wertachten und verteidigen wollen".
Nolte: "Hindernisse sind im ökumenischen Dialog gewiss überwindbar"
Foto: epd-bild/Christoph MukherjeeHistoriker und Publizist Paul NolteNolte sagte: "Etwas mehr Kreativität in unserer geordneten Feiertagswelt kann ohnehin nicht schaden." Eine gemeinsame Initiative für einen bundesweiten Feiertag am 31. Oktober 2017 könne von den Innenministern vorbereitet werden "oder besser noch: im Bundesrat starten". Zwar werde "es allerlei Bedenken geben, zumal der 1. November Allerheiligen ist, aber die Hindernisse sind gewiss überwindbar, auch im ökumenischen Dialog", sagte Nolte.
Auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) hat den Vorschlag begrüßt, den Reformationstag 2017 als bundesweiten Feiertag zu begehen. Diese Idee sei so "charmant", dass sie es wert sei, in den Ländern Gehör zu finden, sagte er in Magdeburg. Es wäre ein deutliches Signal dafür, dass die Reformation wirklich ein welthistorisches Ereignis war, das bis heute nachwirkt und so wahrgenommen wird, auch in den katholisch geprägten Gegenden.
Dorgerloh: "Auch in Chile ist der Reformationstag ein Feiertag"
Foto: epd-bild/Andreas SchoelzelSachsen-Anhalts Kultusminister Stephan DorgerlohAuf diese Weise könne die Aufmerksamkeit bundesweit darauf gelenkt werden, dass die Reformation zwar von Wittenberg ausgegangen sei, aber nicht nur lokal wirkte, sondern ganz Deutschland und die Welt verändert habe, fügte Dorgerloh hinzu. "In Chile ist der Reformationstag nationaler Feiertag - da sollte das Land der Reformation nicht nachstehen", betonte Dorgerloh. Der Theologe hatte vor seiner Ernennung zum Minister 2011 das Amt des Beauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland für die Lutherdekade zum Reformationsjubiläum 2017 inne.
Der Reformationstag 2017 sollte auch in Bayern einmaliger staatlicher Feiertag sein. Das wünscht der Evangelische Arbeitskreis der CSU (EAK), wie ihr stellvertretender Landesvorsitzender Jürgen Thiede (Nürnberg) mitteilte. "Die Reformation prägt unser Land und seine Kultur bis heute", begründete Thiede die Forderung. Seinen Vorschlag will der Landesvorstand des EAK beim bayerischen Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm, am 30. Oktober vorbringen.
Reformationstag ist in meisten ostdeutschen Bundesländern ein Feiertag
Zurückhaltend reagierte zunächst die thüringische Landesregierung. Regierungssprecher Peter Zimmermann nannte die Debatte um einen einheitlichen Feiertag "eine völlig theoretische Diskussion". In einem Land wie Deutschland mit allgemeiner Religionsfreiheit seien regionale Unterschiede durchaus gewollt, betonte er. Gleichwohl sei der 31. Oktober 2017 für die Bundesrepublik religionsübergreifend von besonderer Bedeutung.
In Thüringen, wie auch in den anderen ostdeutschen Bundesländern mit Ausnahme Berlin, ist der Reformationstag seit 1994 gesetzlicher Feiertag. In der alten Bundesrepublik ist der Reformationstag ein normaler Arbeitstag. Zuständig für die Feiertage sind in Deutschland die Länder.


































