Nominierung von "Pussy Riot" für Luther-Preis soll gekippt werden
Foto: Igor Mukhin/wikipediaBunt und provokativ: die Band "Pussy Riot".Die umstrittene Nominierung der russischen Punkrock-Band "Pussy Riot" für den Luther-Preis "Das unerschrockene Wort" soll möglicherweise wieder gekippt werden. Derzeit prüften die Kommunalaufsicht und das städtische Rechtsamt, ob das Votum des Hauptausschusses im September zurückgenommen werden könne und von welchem Gremium, teilte die Stadtverwaltung in Wittenberg mit. Die Stadt Wittenberg hatte die russische Band "Pussy Riot" nominiert.
Derweil stellte sich der Bürgermeister der Stadt, Eckhard Nauman (SPD), hinter die Nominierung. "Wir bleiben bei unserem Vorschlag", sagte Naumann im Deutschlandradio Kultur. Die Entscheidung sei formal korrekt und demokratisch zustande gekommen. Auch habe vorher eine kontroverse Diskussion stattgefunden. Er selbst habe für die Nominierung von "Pussy Riot" gestimmt. Den Rückzieher beantragt haben den Angaben zufolge die Fraktion "Allianz der Bürger" und die CDU-Fraktion.
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis der deutschen Lutherstädte wird im April 2013 in Luthers Geburtsort Eisleben zum neunten Mal verliehen. Der Preis ehrt Persönlichkeiten, die im Sinne des Reformators Martin Luther Zivilcourage gezeigt haben.
Eine Lutherstadt solle keine "Gotteslästerung" ehren
Indes nimmt die Kritik an dem Vorschlag aus Wittenberg zu. Der Wittenberger evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer sagte der "Leipziger Volkszeitung" (Montagsausgabe), "es wäre ein verheerendes Zeichen, wenn mit 'Pussy Riot' der Vorschlag unserer Stadt für den Lutherpreis den Sieg davon tragen würde". Die Qualität der Texte sei anrüchig. Zwar habe er durchaus auch Verständnis für den Protest der Frauen, so Schorlemmer. Allerdings sei am falschen Ort provoziert worden. Eine Lutherstadt sollte keine "Gotteslästerung" ehren.
Foto: Brücke-Osteuropa/ wikipediaRussisch-orthodoxe Hauptkirche in Moskau.Die drei Musikerinnen hatten kurz vor den russischen Präsidentschaftswahlen im Februar mit einem "Punkgebet" in der russisch-orthodoxen Hauptkirche in Moskau gegen Wladimir Putin demonstriert. Im August waren die Bandmitglieder wegen Rowdytums aus religiösem Hass zu je zwei Jahren Zwangslager verurteilt worden. Derzeit läuft in Moskau ein Berufungsverfahren.
Die unter Stalin gesprengte Kirche ist ein Symbolort für die Glaubensfreiheit
Einer der ersten Gegner der Nominierung, der evangelische Propst Siegfried Kasparick aus Wittenberg, bekräftigte seine Ablehnung. Auch er teile die Kritik am Gerichtsurteil, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). In Deutschland werde aber außer acht gelassen, dass die unter Stalin gesprengte Kirche, in der die Band aufgetreten war, Symbolort für die Freiheit des Glaubens in Russland sei.Im Liedtext werde dies jedoch lächerlich gemacht, und das dürfe nicht noch mit einem Lutherpreis gewürdigt werden, betonte Kasparick. Die Christ-Erlöser-Kathedrale war auf Geheiß des sowjetischen Diktators 1931 gesprengt und vor zwölf Jahren wiedererrichtet worden.
Nach Auskunft der Eislebener Stadtverwaltung wäre es wohl das erste Mal, dass ein Vorschlag zurückgezogen wird. Derzeit lägen vier Nominierungen vor, eine weitere sei angekündigt. Der nächste Preisträger soll von Vertretern der Lutherstädte Anfang November in Eisleben ausgewählt werden. Die Auszeichnung wird von dem 16 Orte umfassenden Bund der Lutherstädte seit 1996 vergeben.


































