Schmalkaldische Artikel: Ein protestantisches Profil feiert Jubiläum
Foto: Tourist-Information SchmalkaldenRelief am Quartier Martin Luthers von 1537 in Schmalkalden.Als Martin Luther Anfang 1537 Schmalkalden besuchte, logierte er in einem stattlichen Fachwerkhaus zu Füßen des Schlossberges. Der mehrtägige Aufenthalt des Reformators machte die Stadt und das repräsentative Gebäude zu bedeutenden Orten der Reformation. Am 24. Februar 1537 unterzeichneten hier führende protestantische Theologen die "Schmalkaldischen Artikel", die zu einer wichtigen Grundlage des evangelisch-lutherischen Glaubens werden sollten.
Damit wurde die Stadt in Südthüringen vor 475 Jahren für die neu entstehende Kirche zu einem Schicksalsort. Zum Jubiläum des historischen Ereignisses präsentiert sich Schmalkalden den Besuchern aus aller Welt als sorgsam saniertes Fachwerk-Kleinod rund um die gotische Hallenkirche St. Georg aus dem frühen 16. Jahrhundert. Die zahlreichen Spuren der Reformation lassen sich auf einem historischen Lehrpfad durch die Stadt nachverfolgen. An Luthers einstigem Quartier erinnert ein kunstvoll gestaltetes Relief an das Geschehen von 1537.
Bevorzugter Ort für strategische Treffen evengelischer Landesherren
Schmalkalden sei im 16. Jahrhundert eine reiche Stadt gewesen, sagt der langjährige Dekan des evangelischen Kirchenkreises Michael Bedbur. Ihren Reichtum verdankte sie seit dem hohen Mittelalter dem Eisenerz im Thüringer Wald und der Produktion von "Schmalkalder Artikeln" aus Eisen und Stahl. Vor dem Hintergrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung machten die evangelischen Landesherren die Stadt mitten in Deutschland damals zu einem bevorzugten Ort für ihre strategischen Treffen.
Besonderen Anteil daran hatte Landgraf Philipp von Hessen, dessen Herrschaftsgebiet bis nach Schmalkalden reichte. Die Thüringer Exklave, die schon seit dem 14. Jahrhundert den hessischen Landgrafen gehörte, wurde bereits 1525 evangelisch. Die 1590 eingeweihte Kapelle in der Wilhelmsburg war damals eine der ersten neu gebauten protestantischen Schlosskirchen in Deutschland. Und der Kirchenkreis Schmalkalden, der in der DDR vorübergehend von der Thüringer Landeskirche verwaltet wurde, kehrte nach dem Fall der Mauer zur kurhessischen Kirche mit Sitz in Kassel zurück.
Ende 1530 begründeten in Schmalkalden die evangelischen Fürsten von Hessen, Kursachsen, Brandenburg-Ansbach, Braunschweig-Lüneburg und Anhalt sowie 14 freie Reichs- und Hansestädte ein Bündnis, dem die Stadt seinen Namen gab. Der Schmalkaldische Bund gegen den katholischen Kaiser traf sich in den folgenden Jahren allein acht Mal in seinem Gründungsort. Oft tagte die Allianz im Hessenhof, der mit Wandmalereien zur Iwein-Sage aus dem 13. Jahrhundert eines der ältesten Zeugnisse mittelalterlicher Profanmalerei in Mitteleuropa bewahrt.
Deutliches und wenig diplomatisches Bekenntnis
Auch Martin Luther stellte 1537 seine "Schmalkaldischen Artikel" im Hessenhof vor. Im Auftrag des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen formulierte der Reformator darin wesentliche Grundlagen seiner Theologie, darunter die Lehre von der Rechtfertigung allein aus Glauben. Scharfe Kritik übt die Schrift zudem am Papsttum, an Reliquienverehrung, Ablasshandel oder der Lehre vom Fegefeuer. Der Schmalkalder Fürstenkongress, der die Artikel schließlich verabschiedete, nahm das deutliche, doch wenig diplomatische Bekenntnis nur verhalten auf.
Die "Schmalkaldischen Artikel" seien in ihrer Abgrenzung zur damaligen Papstkirche "weithin schroff und in ihrem Hauptteil kompromisslos", sagt Bedbur, der nach zwölf Jahren Dekan in Südthüringen im Mai in den Ruhestand verabschiedet wurde. Doch unabhängig vom historischen Umfeld hätten die 15 Glaubensartikel auch in der Gegenwart "eine unaufgebbare Bedeutung".
In Schmalkalden soll sie mit einer Festwoche verdeutlicht werden, die am Dienstag mit einem Turmblasen von der Stadtkirche beginnt. Bis zum Festgottesdienst am Sonntag bietet sie unter anderem Orgelmusik, szenisches Theater und ein Historisch-theologisches Symposium unter dem Motto "Profil und Abgrenzung". Auftakt ist am Donnerstag ein Disput in der Georgenkirche mit dem Kasseler Bischof Martin Hein und dem katholischen Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann.



































