Gyula Makoviczky: "In der Kirche wird immer was los sein"
Foto: privatGyula MakoviczkyDer Theologe Gyula Makoviczky ist seit Anfang Januar 2012 der dritte "International Resident Wittenberg". Der 40-jährige Ungar kennt sich in Deutschland aus. Wittenberg ist ihm nicht fremd und im fränkischen Erlangen hat er zwei Semester evangelische Theologie mit Schwerpunkt Kirchengeschichte an der Universität studiert.
Der Mann ist aber nicht alleine gekommen. Seine Frau Sofia und sein 20 Monate alter Sohn Mathias begleiten ihn. In Ungarn lebt die kleine Familie in der drittgrößten Stadt des Landes: Szeged. Die Stadt ist die sonnenreichste des Landes und liegt an der Südgrenze nahe dem Dreiländereck mit Serbien und Rumänien.
luther2017: Sind Sie gut in der Lutherstadt Wittenberg angekommen?
Gyula Makoviczky: Eigentlich hatte ich schon vor einem Jahr nach Wittenberg kommen wollen. Durch die Geburt meines Sohnes vor etwa eineinhalb Jahren ist der Terminkalender aber völlig durcheinander geraten. Mathias war zu diesem Zeitpunkt einfach noch zu klein. Meinen Aufenthalt konnte ich aber zeitlich nach hinten schieben. Erreicht hat mich die glückliche Nachricht als Resident ausgewählt worden zu sein per Mail. Jetzt bin ich sehr froh, als ungarischer Pfarrer hier in Wittenberg sein zu können. Mit meiner Familie lebe ich direkt inmitten der Stadt. Blicke ich aus dem Fenster, sehe ich den belebten Marktplatz.
Die Stadt gefällt mir sehr gut. Ich kenne Wittenberg. Vor acht Jahren war ich schon einmal für zwei Wochen hier, um ein Seminar der Kirchengeschichte zu besuchen. Damals habe ich das Lutherhaus, das Melanchthonhaus und das Cranachhaus besichtigt. Das war sehr beeindruckend. Im Frühling will ich die Gegend mit dem Fahrrad erkunden.
Sie sind jetzt "International Wittenberg Resident". Was haben Sie sich alles vorgenommen?
Makoviczky: Ich möchte vieles machen. Als Resident arbeite ich eng mit der Geschäftsstelle der EKD in Wittenberg zusammen, um ein internationales Netzwerk aufzubauen. Zugleich halte ich den Kontakt zu meiner Heimatkirche in Ungarn und informiere sie über Veranstaltungen, Projekte und Möglichkeiten der Lutherdekade. Generell will ich die Menschen auf das Erbe der Reformation und dessen Wirkung neugierig machen. Ich möchte, dass Menschen miteinander in Kontakt kommen und neue Beziehungen aufbauen. Auch betreue ich internationale und ökumenische Gäste, um mit ihnen theologische Dialoge und Diskussionen zu führen. In Wittenberg werde ich mich an Projekten der lokalen Kirchengemeinden beteiligen.
Vor allem möchte ich die ungarische Landeskirche mit allen möglichen Büros hier in Wittenberg in Kontakt bringen, etwa mit der EKD, mit dem Martin-Luther-Bund und dem Lutherischen Weltbund. Ungarische Gruppen, die nach Wittenberg reisen, werde ich willkommen heißen und betreuen, damit sie sich hier wohlfühlen. Während meiner Zeit hier will ich das Buch "Luther. Mensch zwischen Gott und Teufel" von Heiko Augustinus Oberman ins Ungarische übersetzen. Das Buch soll auf jeden Fall noch vor 2017 erscheinen. Ein weiteres großes Thema, an dem ich arbeite, betrifft die ungarische evangelische Theologie. Ich habe vor, eine Liste von allen Ungarn, die in den vergangenen 500 Jahren in Wittenberg studiert haben, zu erstellen.
Wird Ihre ungarische Heimatgemeinde Sie in Wittenberg besuchen?
Makoviczky: Ja, das plane ich. Toll wäre, wenn meine Leute im Sommer in einem vollbesetzten Bus nach Wittenberg reisen würden. Mit ihnen plane ich eine Rundreise durch das reformatorische Erbe Martin Luthers. Fest steht, dass meine ungarischen Konfirmanden zum Internationalen Konfirmandentreffen im Herbst hierher kommen.
Wie werden die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum in Ihrer ungarischen Heimat vorbereitet?
Makoviczky: Erste Vorbereitungen laufen bereits an, vor allem auf der musikalischen Ebene. Auch sind Bücherausstellungen geplant. Das bekannt zu machen ist meine Aufgabe. Da ich zuvor in der Gemeindearbeit tätig war, habe ich selbst auch noch nicht den vollen Überblick über alle Feierlichkeiten in Ungarn zum Reformationsjubiläum. Den muss ich mir selbst erst noch verschaffen.
Wie sind die protestantischen Kirchen in Ungarn vertreten?
Makoviczky: In Ungarn leben nicht viele Protestanten. Das Land hat knapp über zehn Millionen Einwohner. Rund 100.000 von ihnen bezeichnen sich als evangelisch, vielleicht sind es sogar noch weniger. Die große Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zur römisch-katholischen und zur ungarischen griechisch-katholischen Kirche, dann kommen die Calvinisten und erst dann die Lutheraner. Ich glaube, dass es eine gute Zusammenarbeit mit den Kirchen der Reformation zum Jubiläum geben wird.
2017 ist das große Reformationsjubiläum. Worauf freuen Sie sich ganz persönlich?
Makoviczky: Mich reizt, dass mit diesem Jubiläumsdatum eine Feier von rund 30 Jahren auf uns zukommt. Im Jahr 2017 ist das große Reformationsjubiläum. Die Feier wird aber weitergehen. Schließlich werden die Bannbulle und weitere Schriften auch 500 Jahre alt und am 8. Februar 2046 ist der 500. Todestag von Martin Luther. In der Kirche wird somit in den nächsten Jahren immer was los sein. Mir gefällt, daran beteiligt zu sein. Ich möchte, dass Menschen aus der ganzen Welt nach Wittenberg reisen und der evangelischen Kirche und der Reformation mehr Aufmerksamkeit widmen, zuhause in Ungarn wie auch hier in Deutschland.


































