Juhani Holma: "Das Evangelium ist zeitlos"

Der finnische Theologe über das Evangelium als Medikament und die gemeinsame Wellenlänge christlicher Kirchen

uhani Holma mit seiner FamilieFoto: privatDer erste Teilnehmer des Programms "International Wittenberg Resident", Juhani Holma aus Finnland, mit seiner Familie.Das 22.000 Einwohner zählende Städtchen Tornio liegt im Norden Finnlands und ist die Heimat von Juhani Holma, dem promovierten Theologen und Kirchenmusiker, der als erster Teilnehmer des Programms "International Wittenberg Resident" ab August 2009 für dreizehn Monate auf Einladung der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD) in der Lutherstadt Wittenberg "residieren" wird.

Holma ist 51 Jahre alt und verheiratet mit Riitta, das Paar hat vier Kinder. Die Familie wohnt direkt am Markt mit Blick auf die Türme der Stadtkirche, in der bereits Martin Luther gepredigt hat. Der Finne freut sich auf seine Aufgabe: Gemeinsam mit der Geschäftsstelle der EKD geht es darum, internationale Netzwerke im Hinblick auf das Reformationsjubiläum 2017 zu knüpfen. So sind zum Reformationstag 2009 erstmals auch finnische Konfirmandinnen und Konfirmanden zu Gast in der Lutherstadt. Neben der internationalen Zusammenarbeit, wo es auch um die Einbindung von Holmas finnischer Heimatkirche in die Vorbereitungen zum Jubiläum geht, wird sich der Resident mit einem Thema reformatorischer Theologie im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigen.


luther2017: Herr Holma, Sie sind mit Ihrer Familie im Sommer 2009 in Wittenberg angekommen. Wie gefällt es Ihnen?

Juhani Holma: Danke, wir fühlen uns wohl hier. Obwohl es immer eine große Herausforderung für eine Familie ist, in ein neues Land zu ziehen, hat unsere Familie in Wittenberg gute Freunde und Hobbys gefunden. Die Kinder sind in ihren neuen Schulen herzlich aufgenommen worden.

Unsere Familienausflüge in andere Teile Deutschlands sind sehr interessant und aufschlussreich gewesen. In Wittenberg wurden wir überall sehr freundlich aufgenommen und das hat uns geholfen, uns hier wohl zu fühlen. Dieses Jahr in Deutschland gehört zu den allerschönsten Zeiten in unserem Leben.

Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie wussten, dass Sie für ein Jahr in Wittenberg leben würden?

Holma: Als ich erfahren habe, dass die EKD mich als ersten internationalen Residenten nach Wittenberg einladen wird, habe ich mich darüber sehr gefreut. Deutschland war mir schon einigermaßen bekannt, da ich als Stipendiat in Erlangen studiert hatte. Auch hatte ich in deutschen Bibliotheken meine Forschungsarbeit gemacht. Meine Neugierde war geweckt: Ich wollte mich mit dem kirchlichen Leben in Deutschland näher vertraut machen. Nun kam mir also die Möglichkeit im Dienst der EKD arbeiten zu dürfen wie eine interessante Herausforderung vor. Ich hoffe, dass ich hier Erfahrungen sammeln werde, die ich in meiner Heimat weitervermitteln kann und in der Zukunft als Kontaktperson in den deutsch-finnischen kirchlichen Beziehungen dienen kann.

Was wünschen Sie sich für das Reformationsjubiläum?

Holma: Ich hoffe, dass es während der Lutherdekade gelingen wird, solche Themen hervorzuheben, die den Reformatoren selbst besonders wichtig waren. Sie wären gute Devisen auch für Menschen, die mit den Herausforderungen von heute kämpfen. Für Luther war das Evangelium der Bibel das Entscheidende. Das Evangelium ist zeitlos. Gerade deswegen ist es auch das beste Medikament für die Wunden der heutigen Menschen und die Antwort auf ihre brennenden Fragen. Hätte Luther selbst die Möglichkeit, an den Vorbereitungen des Reformationsjubiläums teilzunehmen, könnte ich mir gut vorstellen, dass er aus allen seinen Thesen gerade diese: ”Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes” als wichtigste hervorheben würde. Das Evangelium schenkt uns die richtige Perspektive auf unsere Gegenwart wie auch auf unsere Zukunft.

Ist Martin Luther, ist die Reformation in Finnland ein Thema?

Holma: Finnland ist ein protestantisches, lutherisches Land, wo 80 Prozent der Bevölkerung zur evangelisch-lutherischen Kirche gehören. Daher ist das Erbe Luthers und der Reformation ein bekanntes Thema für die Finnen. Für die Identität der Finnen ist die lutherische Denkweise von großer Bedeutung gewesen. Auch in der Zukunft wird sie bestimmt eine wichtige Rolle als Grundstein der finnischen Gesellschaft und Kirche spielen.

Im Herbst 2010 werden Vorbereitungen des Reformationsjubiläums in Finnland in Gang gesetzt. Im Laufe der Festdekade wollen die finnischen Bischöfe solche spirituelle und theologische Aspekte hervorheben, die direkt aus dem Erbe der Reformation stammen. Die Hoffnung ist, die Betrachtung der Lehre Luthers auf die Gemeindeebene zu bringen, so dass das Feiern der Reformation seinen Schwerpunkt in der Arbeit einzelner Gemeinden findet. Dabei wird nach dem roten Faden der Reformation gesucht. Auf welche Weise könnte das Evangelium in der alltäglichen Wirklichkeit seinen Ausdruck finden? Auf diese Frage soll versucht werden, Antworten zu finden.

Das Motto der Lutherdekade für 2009 lautet "Reformation und Bekenntnis". Wozu bekennen Sie sich?

Holma: Ich bin ein ökumenisch orientierter Lutheraner. Das bedeutet, dass ich viele Glaubenschwester und -brüder auch aus den anderen Kirchen habe. Trotz meiner starken lutherischen Identität habe ich enge Kontakte besonders mit orthodoxen und katholischen Christen. Ein Grund dafür, dass wir uns so gut verstehen, ist vielleicht, dass ich als konfessioneller Lutheraner die Bedeutung der Bibel hervorheben will. Das Wort Gottes ist dasselbe für uns alle und aus diesem Grund ist es leicht, eine gemeinsame “Wellenlänge“ zu finden, auch wenn wir unterschiedliche Traditionen haben.

Mein Bekenntnis besteht vor allem aus der Liebe zum Wort Gottes. Genauso liebe ich das Heilige Abendmahl. Es ist die Voraussetzung dafür, dass ich die alltäglichen Herausforderungen in meinem Leben überhaupt verkraften kann. Diese beiden waren auch Luther besonders wichtig und lieb.