Konzertreihe "366+1 - Kirche klingt" zum Jahr "Reformation und Musik" gestartet
Foto: epd-Bild/Andreas SchoelzelZum Start der Konzertreihe spielten und sangen der Madrigalchor und die Capella St. Anna unter Leitung von Michael Nonnenmacher.Zum Auftakt des Themenjahrs "Reformation und Musik" 2012 hat der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, "besondere Anstrengungen" zum Erhalt der Kirchenmusik gefordert. Sie seien notwendig, um ein möglichst breites kirchenmusikalisches Angebot auch künftig sicherzustellen, sagte Schneider dem epd. Trotz zurückgehender Finanzen gelte es, die Musik als ein "kostbares Gut" zu pflegen. Mit einem Festgottesdienst in Augsburg eröffnete die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Neujahrstag eine bundesweite Musikreihe.
Das Projekt "366+1 - Kirche klingt" ist Teil des Kirchenmusikjahrs aus Anlass des Lutherjubiläums 2017. Im Jahr 2012 soll an jedem Tag ein Konzert oder Musikgottesdienst in einer anderen evangelischen Kirche in Deutschland stattfinden. Zum Auftakt erklang Johann Sebastian Bachs Kantate "Nun danket alle Gott".
"Reicher musikalischer Schatz des Protestantismus"
Ein musikalisches Band ziehe sich durch ganz Deutschland, sagte der bayerische Altbischof Johannes Friedrich, der auch Mitglied des Rates der EKD ist, bei dem Eröffnungsgottesdienst in der St. Annakirche. Das Musik-Projekt verbinde Menschen und lasse den "reichen musikalischen Schatz des Protestantismus" sichtbar werden. Dieser Schatz liege nicht auf einem Bankkonto, sondern bei den Begabungen der Menschen in den Chören, Ensembles und auf der Orgelbank. Stadtdekanin Susanne Kasch betonte in ihrer Predigt, dass Lieder die Menschen "in den Glauben hinein holen" und Gefühle ausdrücken können.
Das 930.000 Euro teure Projekt wird den Angaben zufolge aus staatlichen Mitteln, von den beteiligten Kirchengemeinden, einer Spendensammlung sowie von der EKD finanziert. Beendet wird die Konzertreihe, die auch das französische Straßburg einschließt, mit einem Konzert am Silvestertag im sächsischen Zittau. Die Bezeichnung "+1" verweist auf ein Zusatzkonzert in der Osternacht.
Musik als Brücke zu den Menschen
Die Musik sei eine Brücke zu vielen Menschen, die "heute nicht mehr selbstverständlich kirchlich sozialisiert sind", sagte der EKD-Ratsvorsitzende dem epd. Über Kirchenmusik fänden viele einen ersten oder einen neuen Kontakt zur Kirche. Zu Musizieren oder Musik zu hören "kann glücklich machen", sagte Schneider: "Musik zum Lobe Gottes ist aber auch für den persönlichen Glauben wichtig".
Schneider, der auch Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland ist, bedauerte, dass die Zahl der Kirchenmusikstudenten zurückgehe: Es "fehlt inzwischen leider tatsächlich der Nachwuchs an qualifizierten Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern". Schneider äußerte die Hoffnung, dass weitere Landeskirchen die Besoldung der Kantoren anheben, wie es einige bereits getan hätten. Der evangelische Kirchenmusiker-Verband beklagt seit langem eine zu schlechte Bezahlung.
Würdigung dessen, was "jahrein, jahraus in unserer Kirche erklingt"
Der Berliner Landeskirchenmusikdirektor Gunter Kennel erwartet vom Themenjahr eine Stärkung der Kirchenmusik. Er erhoffe sich eine "verstärkte Wahrnehmung und Würdigung dessen, was jahrein, jahraus an Musik in unserer Kirche erklingt", sagte der Vorsitzende der Ständigen Konferenz für Kirchenmusik in der EKD dem epd in Berlin.
Der Kirchenmusik werde derzeit nicht überall in den Landeskirchen ausreichende Wertschätzung entgegengebracht, sagte Kennel. "Leider kann auch nicht alles, was in letzter Zeit an der einen oder anderen Stelle an öffentlicher Präsentation des Themenjahres 'Reformation und Musik' geboten wurde, als Stärkung des Berufes verstanden werden", sagte Kennel. Dies sei "ein Symptom eines innerkirchlichen Wahrnehmungsdefizites".


































