Joy Fleming: "Musik gehört zu Gott wie zum Glauben"

Musik spielt im Leben der Jazz-, Blues- und Schlagersängerin eine tragende Rolle

Sängerin Joy FlemingFoto: Joy ProductionSängerin Joy Fleming "Schon seit meiner Kindheit begleitet mich Musik durch das Leben. Sie spielte schon immer eine ganz besondere Rolle. Meine Eltern hörten sie sehr gerne. Das hat mich geprägt. Mit 14 Jahren fing ich an, selbst zu singen. Musik ist etwas Wunderschönes, was Weltbewegendes. Sie bringt Menschen zusammen, die sich nicht kennen. Über sie kann man sich auch selbst kennen lernen. Als ich jünger war, sang ich gerne Lieder, die Geschichten erzählen. Wenn ich heute singe, fühle ich sehr viel Seele. Balladen aber auch Soul geben mir viel innere Ruhe und Kraft. Die Musik gibt dem Menschen viel. Wer keine hört, ist ein armer Tropf. Ich bin immer sehr in die Texte und in die Schönheit der Lieder vertieft und glaube, dass mein Publikum das auch spürt: dann fließen auch Tränen.

Manchmal gehe ich in die Kirche und singe dort. Ich glaube sehr stark an Gott und bete in der Nacht. Gott hat mir auch schon in mancher Situation geholfen, denke ich. Wenn ich singe, ist das ein Gefühl von Wärme, Schönheit, Bedeutung und Liebreiz. Wenn ich singe, möchte ich etwas geben, erzählen und vermitteln: Die Zuhörer sollen meine Musik spüren. Sie gibt mir Wärme und Ausstrahlung. Ich denke, Gott schreibt nicht vor, welche Songs man in der Kirche hören soll. Nicht allein Klassisches oder Kirchenmusik sind dort gefragt. Ich glaube, dass mittlerweile viele unterschiedliche Lieder in Kirchen gehört werden.

Wenn ich mit meinen Musikern oder meinem Mann in die Kirche gehe, spielen wir keine Schlager, sondern sehr ernste Balladen und auch schnellere Rhythmen. Zum Bespiel berührt mich das Lied "She's out of my life" von Michael Jackson. Stehe ich dann in der Kirche unter der Kanzel und singe das Lied dieses Menschen, der ein Multitalent war und durch furchtbare Umstände ums Leben gekommen ist, kommen mir die Tränen. Wenn ich "Stille Nacht, heilige Nacht" vortrage, frage ich mich, warum es in der Welt so viel Böses gibt, wo doch auch soviel Schönes existiert. Die verschiedenen Menschen in der Kirche schaffen eine besondere Atmosphäre. Mir scheint, als saugten sie die Melodie regelrecht auf. Mit Worten allein lässt sich das gar nicht beschreiben. Dann überkommt einen Gänsehaut, man wird nachdenklich.

Als geradezu überirdischen Musikgenuss empfinde ich Michael McDonald, einen amerikanischen Sänger, der sehr viel schwarze Musik macht: Soul. Er selbst ist aber ein Weißer. Singt er, fühlt es sich für mich an, als würde mich ein Samtmantel umfangen. Wenn ich abschalten will und von allem genug habe, dann kuschele ich mich in meinen Sessel und höre seine Lieder. Da wünsche ich mir, dass Gott das hören könnte. Musik gehört in die Kirche. Die Menschen wollen im Gotteshaus Lieder hören und singen. Ich glaube, das letzte, was er wollte, wäre keine Musik. Denn sie gehört zu Gott wie auch zum Glauben."

Joy Fleming ist eine deutsche Jazz-, Blues- und Schlagersängerin aus Mannheim. Sie sang 1975 beim Grand Prix Eurovision de la Chanson den Titel: "Ein Lied kann eine Brücke sein". Der Refrain lautet: "Ein Lied kann eine Brücke sein, und jeder Ton ist wie ein Stein. Er macht sie stark und fest. Du kannst darüber gehen, andere verstehen … Ein Lied kann eine Brücke sein hab etwas Mut und stimm' mit ein und ist dein Herz bereit komm' über diese Brücke her aus deiner Einsamkeit."