Bundestag fordert Unterstützung des Reformationsjubiläums

Reformationsjubiläum als "Jubiläum von Weltrang mit europäischer und internationaler Außenwirkung"

Deutscher BundestagDeutscher Bundestag / Marc Steffen UngerLesung im Deutschen Bundestag zum Reformationsjubiläum Der Bundestag hat sich für eine weitere Unterstützung der Lutherdekade und des Reformationsjubiläums 2017 ausgesprochen. Das Parlament hat am 20. Oktober in Berlin in zweiter und dritter Lesung einen entsprechenden fraktionsübergreifenden Antrag beschlossen. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, die bedeutenden historischen Orte der Reformation bei der Denkmalschutz-Förderung zu berücksichtigen.

Darüber hinaus werden die vom Bund finanzierten Institutionen wie die Kulturstiftung des Bundes, das Deutsche Historische Museum oder die Klassik-Stiftung Weimar aufgefordert, die Lutherdekade und das Reformationsjubiläum stärker in ihre Arbeit einbeziehen. Die staatliche Geschäftsstelle "Luther 2017" in Wittenberg solle für ihre Arbeit mit ausreichenden Kapazitäten versehen werden, heißt es in dem Antrag. Das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 müsse zu einem Jubiläum von Weltrang mit europäischer und internationaler Außenwirkung werden.

Fraktionsübergreifende Zustimmung

Derzeit sind im Kulturhaushalt für die Vorbereitung des Reformationsjubiläums seit dem Jahr 2011 jährlich fünf Millionen Euro eingeplant. Für diese Unterstützung des Bundes äußerte der sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), Mitglied im Kuratorium zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums, im Bundestag ausdrücklichen Dank. Vor allem über die breite, fraktionsübergreifende Unterstützung des Antrags zeigte sich Haseloff sehr erfreut.

So betonten die kulturpolitischen Sprecher der Fraktionen die Bedeutung der Reformation weit über die kirchlichen und theologischen Umbrüche hinaus. Der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Börnsen bezog sich auf Luthers Freiheitsbegriff und sagte: "Dieses Doppelgesicht von Freiheit und Gleichheit vor Gott und dem Gesetz hat unser Bürger-, unser Staats- und unser Demokratieverständnis in den folgenden Jahrhunderten ganz maßgeblich beeinflusst. Die Bill of Rights in England, die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Aufklärung wären ohne Luther nicht denkbar."

"Reformation als Teil unseres kulturellen Erbes"

"Die Reformation hat der Aufklärung den Weg geebnet, und die prägt bis in die Gegenwart unsere Gesellschaft.", sagte Siegmund Ehrmann (SPD), Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Kultur und Medien der Fraktion. Er plädierte dafür, die Zeit der Lutherdekade zu nutzen um sich "mit der Reformation als Teil unseres kulturellen Erbes ganz bewusst auseinanderzusetzen". Cornelia Pieper (FDP), Staatsministerin und ebenfalls Mitglied im Kuratorium zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums, betonte die Unterstützung des Auswärtigen Amtes für das Reformationsjubiläum als weltweitem Ereignis von "kulturgeschichtlicher Bedeutung". Seitens der FDP plädierte Patrick Kurth dafür, mit der Lutherdekade "nicht ausschließlich auf theologische und akademische Aspekte" einzugehen. Die Kirche habe, vor allem in Mitteldeutschland, die Chance, "sich gesellschaftlich breit zu öffnen". Zudem forderte er dazu auf, auch "auch wirtschaftliche, touristische und gesellschaftliche Aspekte in die Lutherdekade einzubringen."

Warnung vor einer "Verherrlichung Martin Luthers"

Für eine "inhaltliche und interdisziplinäre Auseinandersetzung mit Luther, seiner Zeit und den Auswirkungen seiner Schriften" zum Reformationsjubiläum sprach sich Agnes Krumwiede, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/die Grünen aus und warnte sowohl vor einer "Fokussierung auf rein touristische Aspekte", als auch vor der "Verherrlichung Martin Luthers". Eine Fixierung auf die Person Luthers kritisierte auch Lukrezia Jochimsen, kulturpolitische Sprecherin der Linken und forderte den Blick auf die "die Rolle des Volkes bei dieser Reformation". Sie beklagte, dass  ihre Fraktion von dem Antrag ausgeschlossen worden sei und ihn nicht habe mittragen dürfen.