Bischöfin Junkermann: "Gemeinsame Geschichte mit unterschiedlichen Zweigen"

Bischöfin Ilse Junkermann (EKM) spricht über ihre Erwartungen zum Papstbesuch

Ilse Junkermann, Bischöfin der Evangelischen Kirche in MitteldeutschlandFoto: epd-bild/Viktoria KühneIlse Junkermann, Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.In einem Monat wird die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, in Erfurt den Papst empfangen. Gemeinsam mit der Spitze der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) trifft sie sich mit Benedikt XVI. zu einem ökumenischen Gespräch. Die Theologin sprach im Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) über ihre Erwartungen an den Papstbesuch, an mögliche Fortschritte in der Ökumene und im Hinblick auf das Reformationsjubiläum 2017 über die gemeinsame Geschichte von Katholiken und Protestanten.

epd: Der Papst kommt nach Mitteldeutschland. Was erwarten Sie von dem Besuch?

Junkermann: Ich freue mich, dass er hierher kommt. Er trifft auf eine für ihn untypische Situation mit einem sehr hohen Anteil von Atheisten. Das ist für uns eine gemeinsame Herausforderung, die wir auch in der Ökumene gemeinsam wahrnehmen.

In Erfurt gibt es im Augustinerkloster ein ökumenisches Gespräch des Papstes mit Vertretern der EKD, Sie werden dabei sein. Was möchten Sie ansprechen?

Junkermann: Die Federführung des Gesprächs hat der Ratsvorsitzende der EKD, Präses Schneider. Mir wird die Pflicht und Ehre zuteil, als Hausherrin den Papst und alle, die an diesem Gespräch teilnehmen, zu begrüßen. Mir wird es wichtig sein, darauf hinzuweisen, dass wir an einem Ort sind, an dem Luther noch katholisch war. Der Ort ist evangelisch geworden und erinnert uns an eine gemeinsame Geschichte mit unterschiedlichen Zweigen. Der Papstbesuch ist auch ein Anlass, angesichts des bevorstehenden 500. Jubiläums der Reformation über die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte und über das, was dieses Erbe heute bedeutet, nachzudenken.

Haben Sie konkrete Erwartungen an Fortschritte in der Ökumene?

Junkermann: Ich hoffe sehr, dass der Papst eine klare Ermutigung ausspricht, Ehepaare in sogenannter konfessionsverbindender Ehe zum Abendmahl und zur Eucharistie zuzulassen. Kirchenrechtlich ist das möglich, aber es wird aus verschiedenen Gründen nur sehr eingeschränkt praktiziert. In meiner Landeskirche betrifft das vor allem das Eichsfeld, wo es sehr viele Ehen mit je einem katholischen und evangelischen Ehepartner gibt.

Halten Sie Bewegungen in strittigen Fragen des Kirchenverständnisses für möglich?

Junkermann: Konkret erhoffe ich mir auch einen Impuls mit Blick auf die Kirchen der Reformation. Ich würde mich sehr freuen, wenn zum äußerlichen Entgegenkommen des Papstes auch das theologische kommt, die reformatorischen Kirchen als Kirche anzusehen und sie nicht nur als kirchliche Gemeinschaften zu bezeichnen, wie dies seit dem Jahr 2000 leider formuliert wird.

Im politischen Raum werden die Kosten des Staatsbesuchs von Papst Benedikt XVI. kritisiert, unter anderem von Vertretern der Linken. Was halten Sie von dieser Kostendiskussion?

Junkermann: Die Diskussion ist verständlich, aber sie müsste im Bezug auf jeden Staatsbesuch gestellt werden. Es ist gut, dass in einer Demokratie solche Fragen aufgeworfen und in den gesellschaftlichen Diskurs gegeben werden.